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Das macht Hypersensibilität mit Menschen

Das macht Hypersensibilität mit Menschen

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© Dzhulbee by istock photo

von Simone Debour

Manchmal fühlt es sich an, als hätte man keine Haut. Nichts, das zwischen einem und der Welt steht. Nichts, das einen ein wenig beschützt. Stattdessen dringt alles ungefiltert auf einen ein. Die beiläufige Bemerkung der Kollegin, der unvorsichtige Rempler in der U-Bahn, das traurige Lied im Radio. Gedanken an die Zukunft, Sorge um die Eltern, schwierige Zeiten in einer Beziehung. Alles. Banales, Nicht-Banales. Und man hat keine Möglichkeit, einfach mal zu rufen: “Stop!”. Denn man kann sich nicht aussuchen, was einen belastet. Was einem zu nahe geht. Es ist einfach alles.

Alles fühlt

Wer solche Gefühle kennt, der ahnt vielleicht, dass das kein Problem ist, was ihn ganz alleine betrifft. Es gibt dafür auch einen Namen: Hypersensibilität. Die amerikanische Psychologin Elaine Aron hat diesen Begriff geprägt und in ihrem Buch “The Highly Sensitive Person” beschrieben. Hypersensible Menschen, so Aron, haben nicht einfach nur eine besondere Persönlichkeit. Es ist fast wie ein anderes Nervensystem. HSPs (wie hypersensible Menschen im Fachjargon genannt werden) lassen sich nicht nur emotional leicht beeindrucken, sie werden auch von physischen Einflüssen wie Licht oder Lautstärke schnell beeinflusst.

“Ohne Haut sein”

“Zwanzig Prozent von uns sind mit HSP geboren”, sagt Aron; und Menschen, die davon betroffen sind, gehen durch ganz ähnliche Emotionen, haben ganz ähnliche Alltagserfahrungen. Das “ohne Haut sein”, mit dem sich HSP beschreiben lässt, bedeutet auch, dass Betroffene emotional sehr reaktiv sind. Ganz praktisch: Mit HSP reagiert man besonders stark auf gewisse Emotionen. Mit viel Mitgefühl, mit besonders starker Trauer. Ob das auf die traurige Mitteilung eines Freundes ist, oder auf einen Film, der einen mitnimmt.

Zu Herzen nehmen

Menschen mit HSP kennen daher auch einen Satz zur Genüge: “Nimm Dir das nicht so zu Herzen”. Auf Mitmenschen wirken HSPler oft übertrieben emotional – wer HSP nicht erfährt, dem fällt es oft schwer nachzuvollziehen, wie es ist, ohne Haut zu leben. Denn es ist keine bewusste Entscheidung, die Dinge an sich herankommen zu lassen. Es ist einfach so. Ungewollt. Deswegen sind vor allem zwei Dinge wichtig:

Zum Einen, sich einen gewissen Selbstschutz anzutrainieren und zu versuchen, sich nicht so vielen belastenden Situationen – wie zum Beispiel ein trauriger Film in einer gewissen Stimmung – auszusetzen. Zum Anderen hilft es aber auch, sein eigenes Umfeld zu sensibilisieren: “Nein, ich bin keine Heulsuse. Mich belasten gewisse Dinge einfach mehr als andere. Ich brauche Zuneigung und Rücksichtnahme. Und kein Kopfschütteln.”

Natürlich fällt das schwer. Hypersensiblen Menschen fällt das gerade schwer. Auch, weil sie eben zugleich besonders sensibel auf Kritik reagieren. Die Redewendung “zu Herzen nehmen” drückt es schön aus, denn es ist genau dieses Gefühl: Das einem alles direkt ans Herz geht. Ohne Umweg, ohne Filter. Und sich dort einnistet und einen an einer Stelle berührt, die besonders empfindlich ist. Eben direkt am Herzen.

Umgang mit HSP

Wer unter HSP leidet, wird auch wissen: Es lässt sich nicht nachhaltig behandeln. Es lässt sich nicht wegreden, oder ausblenden. Es ist da. Aber man kann lernen, damit umzugehen und lernen, auch den Alltag zu meistern. Als HSPler braucht man Mechanismen, die einem helfen, eine kleine Haut zu entwickeln. Dabei kann vieles nützlich sein. Eine kleine tägliche Auszeit, die bewusste Entscheidung gegen bestimmte Umfelder – Freundeskreise, Arbeitsituationen – die zu belastend sind. Meditation, Sport, Bewusstseinmachung.
Und natürlich die Erkenntnis, dass diese Eigenschaft etwas Besonderes ist. Und daher manchmal auch besonders schwer sein kann. Aber das große Sensibilität auch ein Geschenk sein kann. Auch ein Geschenk für andere.

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