Home Happytainment Fundstücke Ein wunderbarer Brief!
Ein wunderbarer Brief!

Ein wunderbarer Brief!

0

mike rowe

Mike Rowe ist Schauspieler und Komiker, bekannt als Moderator der Show „Dirty Jobs“ auf Discovery Channel. Unnötig zu erwähnen, dass er Tonnen von Fanpost von Leuten bekommt, die mal etwas Neues probieren wollen. Ein Fan fragte ihn sogar, wie er seinen Traumjob finden könnte. Und was war Mikes Antwort?

 

Hallo Mike!

Ich habe das ganze letzte Jahr damit verbracht, herauszufinden, welche Karriere ich verfolgen soll, aber ich weiß immer noch nicht, was ich machen soll. Ich war schon immer ein Typ, der anpackt, ein Draufgänger. Ein Schreibtischjob ist nichts für mich. Ich brauche andauernden Wandel, Aufregung, ein Abenteuer, aber Geld soll trotzdem regelmäßig gezahlt werden. Ich bin auf Baustellen groß geworden und meine erste Anstellung war bei einem Restaurationsprojekt. Ich mag alles, was draußen passiert. Ich spiele Musik, um mir etwas nebenher zu verdienen. Ich liebe es, neue Sachen auszuprobieren, bin aber auch schnell gelangweilt. Ich möchte eine Karriere, die mich immer glücklich macht, es mir aber auch ermöglicht, eine Familie zu gründen und Zeit für Reisen zu haben. Ich bin der Meinung, wenn sich jemand mit Jobs auskennt, dann bist Du das, also habe ich mir gedacht, ich frage Dich einfach mal, was Du darüber denkst. Falls Du die Zeit dafür findest. Vielen Dank!

– Parker Hall

Und hier ist die schöne Antwort von Rowe:

Hallo Parker,

Mein erster Gedanke war, dass du schweißen lernen und nach North Dakota umziehen solltest. Die Möglichkeiten dort sind einfach überwältigend, und als ein „zupackender Draufgänger“ bist du für diesen Job einfach geboren. Nachdem ich deine Nachricht jedoch ein zweites Mal gelesen habe, dämmerte mir, dass deine Qualifikationen nicht der Grund dafür sind, dass du deinen Traumjob bisher noch nicht gefunden hast.

Letzte Nacht war ich mit einer Bekannten einen trinken. Nennen wir sie einfach Claire. Claire ist gerade 42 geworden. Sie ist schön, schlau, erfolgreich. Sie ist aber auch frustriert, weil sie keinen Mann findet. Ich habe mir den ganzen Abend angehört, wie schwierig ihre Suche bisher war. Dass „die Guten“ alle schon vergeben sind. Wie ihre Freundinnen ihre Seelenverwandten gefunden hätten und wie unfair es wäre, dass sie noch solo ist.

„Schau mich an,“ sagte sie. „Ich sorge für mich selbst. Ich stehe auf eigenen Beinen. Warum ist das nur so schwer?“

„Wie wäre es denn mit dem Typen dort drüben, am Ende der Bar,“ sagte ich. „Der guckt schon die ganze Zeit zu dir rüber“.

„Der ist nicht mein Typ.“

„Sicher? Woher weißt du das?“

„Das habe ich im Gefühl.“

„Hast du ein Partnerportal probiert?“ fragte ich.

„Spinnst du? Ich würde mich nie mit jemandem treffen, den ich im Internet kennen gelernt habe!“

„Na gut. Wie wäre es mit einem Tapetenwechsel? Die Firma, bei der du arbeitest, hat doch in fast jeder Stadt ein Büro – versuch doch einfach mal in einer anderen Stadt dein Glück?“

„Bitte? San Francisco verlassen? Nie im Leben!“

„Wie wäre es mit dem anderen Ende der Stadt? Einfach mal ein bisschen frischen Wind reinlassen. Eine neue Gegend kennen lernen. Neue Museen, neue Bars, neue Theater…?“

Sie schaute mich an, als wäre ich nicht von dieser Welt: „Warum sollte ich so etwas machen?“

Hier ist die Wahrheit, Parker. Claire möchte eigentlich gar keinen Mann. Sie möchte den „richtigen“ Mann. Sie möchte einen Seelenverwandten. Um genauer zu sein, möchte sie einen Seelenverwandten aus der Nachbarschaft. Sie hat sich diesen Typen schon vor Jahren in ihrer Vorstellung zusammengebastelt und nun hat sie es – verdammt noch mal – satt zu warten!

Das habe ich ihr nicht gesagt, weil… Claire kann manchmal ganz schön jähzornig sein. Aber es ist die Wahrheit. Sie beschwert sich, dass sie alleine ist, obwohl ihre selbst auferlegten Grundsätze dafür sorgen, dass es sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben wird. Sie hat eine Mauer zwischen sich und ihrem Ziel errichtet. Eine Mauer aus Bedingungen und Erwartungen. Könnte es sein, dass Du eine ähnliche Mauer aufgebaut hast?

Nimm deine eigenen Worte. Du möchtest nicht irgendeine Karriere – Du möchtest „die richtige“ Karriere. Du brauchst „Aufregung“ und „Abenteuer“, jedoch nicht auf Kosten der Sicherheit. Du möchtest eine Menge „Veränderung“ und die „Freiheit zu reisen“, brauchst aber auch die Sicherheit eines regelmäßigen Gehalts. Du sagst, du wärst „schnell gelangweilt“, als wäre dieser Zustand nicht durch dich zu beeinflussen. Du hast es aber selbst in der Hand. Langeweile wählt man selbst. Genauso, wie sich zu verspäten. Oder andere zu unterbrechen. Es ist eine Sache, wenn man es liebt „draußen zu sein“, aber gehst noch weiter. Du würdest niemals einen Schreibtischjob annehmen. Du redest über die Bedürfnisse deiner Familie, obwohl diese überhaupt nicht existiert. Und letztendlich sagst Du, dass deine Karriere dich „immer glücklich“ machen müsste.

Das sind meine Gedanken dazu. Du kannst sie ignorieren und ich würde dir das nicht einmal vorwerfen – erst recht nicht, nachdem Du mit einer 42-jährigen Frau verglichen worden bist, die ihre wahre Liebe nicht findet. Aber Du hast halt gefragt…

Hör auf nach der „richtigen“ Karriere zu suchen und fange einen Job an. Irgendeinen Job. Vergiss, was Du magst. Konzentriere Dich auf das, was angeboten wird. Lass dich einstellen. Komme früh. Gehe spät. Melde Dich freiwillig für die Schweißarbeit. Mache dich unverzichtbar. Du kannst immer aufhören und stehst nicht schlechter da als jetzt. Aber verschwende nicht noch ein weiteres Jahr auf der Suche nach einem Karriereweg, den es nicht gibt. Glück kommt nicht von einem Job. Es entsteht, wenn man weiß, was einem wirklich wichtig ist und dementsprechend handelt.

Heutzutage weisen viele Leute den Gedanken von sich, dass sie selbst dafür verantwortlich sind, wie sie sich fühlen. Doch vertraue mir, Parker. Diese Leute irren sich. Das war die eigentliche Lehre, die ich aus „Dirty Jobs“ gezogen haben und ich habe sie mehrere hundert Male lernen müssen, bevor sie sich eingeprägt hat. Was immer Du auch tust, mit wem Du dich umgibst, wie Du die Welt um Dich herum wahrnimmst, es liegt alles völlig in Deiner Hand.

Viel Glück –

Mike

P.S. Ich meine das Ernst mit dem Schweißen und North Dakota. Die Typen dort bestimmen ihr Leben selbst.

P.P.S. Meinst du, ich sollte das auch an Claire schicken?

Besser hätte es niemand sagen können. Loslegen, Chancen nutzen und nicht vor lauter Perfektionismus das Leben verpassen. Das scheint ein solides Rezept für weniger Frust und mehr Freude im Leben zu sein. Also, los geht’s – Raus aus der Perfektionismusfalle!

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on TumblrShare on Google+Print this pageEmail this to someone

Falls Dir dieser Beitrag gefällt, freuen wir uns über Deine Unterstützung!


Dein Glücks-Newsletter

Unser kostenloser Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles rund ums Thema Glück.

Datenschutzrichtlinien