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Engel & Teufel im Gespräch

Engel & Teufel im Gespräch

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„Sag mal“, ein Engel wagte sich dicht an Luzifer heran, aber nur, weil er gerade so schön strahlte, „sag mal, warum erkennen dich die Menschen da unten nicht gleich? Wie können sie denn auf deine scheußliche Maske hereinfallen?“

Luzifer begann zu knurren und wurde dunkler. „Sag mal…“ und „scheußliche Maske“, diese Engel wurden ein wenig respektlos, das hatte er nun von seinem Gefunkel.
„Sag mal… hältst du mich für bescheuert?“ fragte er gefährlich leise, ließ ein wenig Rauch wabern und verwandelte sein Gesicht in eine Fratze. Gut, er konnte es noch, dachte er und entspannte sich heimlich.

Der Engel rettete sich hinter Erzengel Michael.

„Oder noch schlimmer – hältst du die Menschen für so leicht zu manipulieren? Ich hab mir jede Menge Tricks ausgedacht, das ist ein Fulltimejob. Glaubst du, ich sitz nur in der Hölle und drehe Däumchen?“ Er verzog sein Gesicht oder das, was von seinem Gesicht noch übrig war, zu einem höhnischen Grinsen. „Es ist mein Hauptvergnügen, mir immer neue Masken auszudenken und die Menschen zu täuschen. Und ich bin verdammt erfolgreich damit.“

Die Engel wichen zurück und sogar Erzengel Michael war beeindruckt.

„Jetzt hör auf mit der Show, wir glauben´s dir ja.“ Erzengel Michael berührte ihn mit einer blau blitzenden Flügelspitze und zuckte zurück. Diese Kraft konnte man nicht mehr nur als dunkel bezeichnen, dachte er, das war wirklich böse. Böse gab´s gar nicht, glaubten viele im Himmel, doch ganz sicher war niemand.

Luzifer wandte sich ihm zu.
„Ich zeig euch, wie ich das mache. Mein bester Trick ist der hier.“ Er wies nach unten.
Eine wunderschöne Frau räkelte sich auf einem Bett, streckte ihr nacktes, langes Bein von sich und lächelte einen Mann an, der sich gerade eine Krawatte umband.
„Und jetzt schaut hin.“ Luzifer schnippte mit den Fingern und die Engel erkannten die Aura der Frau, ihre wahre Absicht. Eine dunkle Gestalt, die den Mann am Haken hatte, die sich an ihm festkrallte und seine Lebensenergie aus ihm heraus saugte.

„Das bin ich noch nicht, bis jetzt ist sie einfach nur bedürftig und weiß nicht, wie sie sich selbst nähren soll. Er wird es bald bemerken, er wird Energie verlieren und sie entweder verlassen oder sie wird lernen, ihre eigene Kraft zu erkennen und sie mit ihm zu teilen. Das ist menschlich, sie erforschen den Umgang mit Energie, deshalb sind ihre Seelen in menschliche Form gebracht auf der Erde. Aber jetzt passt auf.“

Er schnippte erneut mit den Fingern und ihre dunkle Aura begann zu glimmen.

„Schatz, musst du heute wirklich gehen, ich bin so einsam ohne dich“, sagte sie und wand sich auf dem Bett. Ihre Aura glühte immer mehr, setzte seine in Brand.
Seine Brust wurde eng, er bekam Angst, Stacheldraht zurrte sich um sein Herz und zerfleischte ihn innerlich, es war ein scheußlicher Anblick. Ein Bild, ein Gedanke, er hatte heute eine äußerst wichtige Rede zu halten, eine, die das Leben vieler verändern konnte. Er hatte sich monatelang darauf vorbereitet und das wusste sie genau.

„Er wird nicht gerade die Welt retten, aber er will ein neues Drogenprogramm einführen, heute stellt er es seiner Fraktion vor“, sagte der Teufel ernst.

Die Aura der Frau flammte auf, der Teufel schickte immer mehr seiner Energie zu ihr.

„Ich weiß nicht, ob ich heute Abend noch da bin, wenn du jetzt gehst“, sagte sie auf einmal und eine schwarze, gallertartige Masse begann aus ihr heraus zu fließen und ihn einzuhüllen. Außerdem stieg ein entsetzlicher Gestank zu ihnen auf.

„Merkt ihr, was ich mache?“ sagte Satan und grinste abscheulich.

„Es macht ihr Spaß“, flüsterte Michael. „Sie hat Macht über ihn und genießt es, ihn zu manipulieren. DAS bist du?“

„Ja.“ Satan war nun schwarz und grauenerregend wie die Hölle. „Ich bin die Freude an der Macht über andere. Damit meine ich nicht echte Führungskraft aus Liebe, sondern genau das, was ihr da unten seht. Mich ruft man, wenn man seine Lebenskraft absichtlich und bösartig von anderen rauben will. Versicherungsvertreter, die ihre Kunden bewusst ängstigen, um an ihr Geld zu kommen. Hämischer Liebesentzug. Süchtig machende Verführung in jeder Form. Die Liste ist lang.“

Auf einmal ein Brausen. Blaue, scharf gezackte Lichtblitze erfüllten den Himmel. Erzengel Michael zog sein Schwert.

„Lass sie los. Sofort.“

Der Erzengel baute sich vor Satan auf, wurde größer, hüllte ihn fast ein. „Lass sie los, sie hat dich nicht gerufen. Du hast kein Recht, sie länger zu manipulieren, auch nicht, um uns etwas zu zeigen.“

Die Engel hielten den Atem an. Auch Satan wuchs, er fauchte und spuckte auf Michaels Schwert. Es zischte widerlich.

„Meinst du, mir macht das keinen Spaß? Meinst du, ich sitze nur da unten und halte Energie? Meinst du wirklich, ich genieße es nicht, die Menschen zu verwirren und zu verführen? Meinst du, ich habe keinen eigenen Willen?“ Donner grollte. Schwarze Blitze zuckten durch den Himmel und verdrängten die blauen. Der Satan, riesig groß, gebieterisch, war pure, entfesselte Macht ohne jede Verantwortung oder gar Liebe.

Und dann – Stille.

Schimmernd weiß stand Luzifer auf einmal vor ihnen, nahm Michaels Schwert, wischte es mit einem seiner herrlich funkelnden Flügel ab und reichte es ihm mit einer tiefen Verneigung.

„Ich bitte euch um Vergebung. Doch ich wollte, dass ihr erkennt, womit es die Menschen zu tun haben, was ich ihnen zur Verfügung stelle. Auch du, mein Bruder.“ Wieder verneigte er sich vor Michael. „Und dennoch durchschauen mich viele, wenden sich von mir ab oder bitten mich gar um Vergebung, sind bereit, mich zu erlösen. Unterschätzt nie wieder die Menschen, haltet sie nie wieder für naiv. Meine dunkle Kraft ist die größte Herausforderung, die sie je zu meistern haben werden, viel größer als eure hier. Sehr viel größer. Verneigt euch vor ihnen.“

Damit breitete er seine Flügel auf und stieg zum Allerhöchsten empor.

„Ich muss zurück“, blitzte es durch das Universum, „ich kann sie nicht länger allein lassen.“

So sei es, tönte es zurück.
Dann war er verschwunden, der Teufel, auf einmal wurde es wieder still, heiter und lieblich im Himmel. Und ein bisschen eintönig.
(Susanne Hühn)

Das Wesentliche fehlte plötzlich, der lebendige Austausch und das menschliche Bewusstsein.
PS. Du möchtest anderen Menschen keine Energie klauen, um Dich zufrieden und glücklich zu fühlen? Dann ist vielleicht Ein Kurs in Selbstliebe genau das Richtige für Dich! Hier geht’s zur Schnupperlektion

PPS. Dieser Text stammt aus Susanne Hühn’s Buch Fremdvögeln geht gar nicht

PPPS. Foto von Peter Lindbergh

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