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Frauen sind schön – aber sie müssen es nicht sein

Frauen sind schön – aber sie müssen es nicht sein

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© Curvy Berlin

von  Simone Debour

Wir sollten uns nicht länger vorschreiben lassen, was schön ist

Wir sind alle schön – und sollten uns nichts anderes mehr erzählen lassen

 

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.

Dieses Zitat stammt vom Schriftsteller Christian Morgenstern und eigentlich, könnte man meinen, ist damit schon alles gesagt. Doch leider nicht ganz. Denn was “schön” ist und als solches empfunden wird, ist und war immer schon Moden und Normen unterworfen – man denke nur an die “kurvigen” Frauen des Barock und die extraschlanken Modells der Jetzt-Zeit – Schönheit wird gemacht.

Was als “schön” zu gelten hat, ist nichts, was wir uns selbst aussuchen können. Die Deutungshoheit über Schönheit haben nicht die, die mit Liebe betrachten. Es haben die, die Diäten, Kleider und Make-Up verkaufen wollen. Diejenigen, die das Versprechen endlich dazuzugehören verkaufen und die mit dieser Unsicherheit Geld verdienen.

Was ist schön?

“Schön” ist, immer noch, eher die gertenschlanke Frau als die kurvige. Die glatt Enthaarte, die Langhaarige. Die mit der kleinen Nase, mit den roten Wangen. Die straff geformte – schön ist die, die sich anstrengt. Also strengen wir uns alle an. Und wie! Ganz unter uns: Wie viele Diäten haben Sie schon gemacht? Wie viele Stunden im Fitnessstudio gelangweilt verbracht? Wie viel vermeintliche Wundermittel gekauft? Wie oft beim Blick in den Spiegel verzweifelt gedacht: Das geht so nicht weiter?! Eben. Schön ist anders, oder?

Wir hecheln der Schönheit hinterher wie der Esel der Möhre. Und die Chance, sie zu erwischen, ist dabei etwa gleich groß. Das ist, eigentlich, kein Zustand. Denn eigentlich stimmt es schließlich:

Schön ist alles, was man mit Liebe betrachtet.

Wir sollten also lernen, anders zu sehen. Unsere Umwelt, uns selbst, nicht mehr durch eine Schönheits-Schablone wahrnehmen, sondern die Augen öffnen für all das, was wir (!) schön finden. Was einzigartig ist.

Wie das geht?

Nun, Vorbilder helfen. Nehmen wir Simon Akstinat. Der Berliner Fotograf sagt über sich selbst:

Für mich sind das keine speziellen Frauen. Für mich sind das die schönsten Frauen. Die A-Klasse, wenn ich das mal so sagen darf.

Von wem er spricht? Von Frauen mit natürlichen Kurven. Diesen Frauen hat Akstinat mittlerweile schon den vierten Kalender gewidmet. Er findet sie beim Spazierengehen, im Café, bei Bekannten. Und spricht sie einfach an: Könnte ich Dich fotografieren? Ich finde Dich wunderschön.

Laura Katz ist eine von diesen Frauen, sie modelt nun schon zum dritten Mal für Simons “Curvy Berlin”-Kalender. Für sie, wie für viele andere Curvy-Models, war es zunächst schwierig, sich selbst als schön wahrzunehmen. Gerade in der Zeit des Heranwachsens, wo wir alle mit großen Unsicherheiten zu kämpfen haben, durfte sich Laura die unterschiedlichsten Beleidigungen anhören. Von wildfremden Menschen auf der Straße, aber auch von Freunden. “Kannst Du überhaupt die Arme verschränken?”, “Sind die gemacht?”, “Tut das nicht weh, willst Du Dir die nicht lieber verkleinern lassen?”

Sich als schön zu empfinden war so für Laura ein längerer Prozess. Länger womöglich, als für Frauen mit vermeintlichen Norm-Kurven. „Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, dass tatsächlich jemand diese Bilder toll finden würde, weil ich mich bis dahin nie als sonderlich hübsch empfunden habe“, sagt sie heute, „Aber die Fotos und die anderen Models gaben mir Kraft.”

Eine der anderen Models war Lea, mit der gemeinsam Laura heute einen Blog auf Facebook betreibt. Auf “Boobs and Brains“ schreiben die beiden abwechselnd über Bücher, Politik, Liebe – sie thematisieren dabei auch den langen Weg hin zum Glücklichsein mit dem eigenen Körper. Und rufen dabei immer wieder dazu auf, von den öffentlichen Schönheits-Standards Abstand zu nehmen. Denn wir sind nun mal wie wir sind. Wir sehen so aus, wie wir aussehen. Oder, in Leas eigenen Worten: “Mein Hintern ist nun mal mein Hintern und fertig. Und ich kann mich dafür zerfleischen, oder relaxen und noch mehr geile Sachen essen, mir auf den Hintern hauen und leben.”

Weil Schönheit nun mal etwas ist, dass uns beflügeln sollte und nicht hemmen. Weil Schönheit etwas sein sollte, das unabhängig von der Größe der Oberweite wahrgenommen werden kann. Oder auch nicht. Aber das liegt dann, genau, im Auge des Betrachters.

Hier geht es zur Website von Curvy Berlin – der Kalender 2017 kann ab jetzt bestellt werden.

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