Home News Glückskurven
Glückskurven
0

Glückskurven

0

iStock_000002535639_Large-2

Die Lebenszufriedenheit der Geschlechter verändert sich mit der Zeit – Forscher erklären, warum.

Das Leben ist schön. Jedenfalls in den Augen junger Frauen. 80 Prozent der über 1000 Frauen unter 30, die im letzten Jahr im Auftrag der Zeitschrift „Brigitte“ befragt worden sind, bezeichneten sich als sehr zufrieden oder zufrieden. Auch als die Forscher um Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin sich im Frühjahr dieses Jahres bei einem Teil der Befragten noch einmal erkundigten, ob trotz Krise alles beim Alten geblieben sei, war die Zufriedenheit mit der derzeitigen Lebenssituation bei den jungen Frauen noch überwiegend hoch.

Beruf und finanzielle Unabhängigkeit, eine feste Beziehung, Freunde und eine eigene Familie: Das alles sind für die jungen Frauen wichtige Bausteine fürs Lebensglück, und sie haben nicht vor, zugunsten des einen auf das andere zu verzichten.

Warum auch, wenn sie sich auf dem besten Weg sehen, das alles zu bekommen? Heute denkt die überwiegende Mehrheit der Befragten, in zehn Jahren werde die Lebenszufriedenheit sich sogar weiter vermehrt haben. Wird sich das Bild ändern, wenn die Forscher ihre heutigen Gesprächspartnerinnen in zwanzig oder dreißig Jahren noch einmal befragen?

Mit ihrer Aussage „Die Frauen werden unglücklicher“ schockierte die Kolumnistin Mareen Dowd jetzt die Leser der „New York Times“. Tatsächlich kommen aus der Forschung Hinweise darauf, dass die Zufriedenheit von Frauen mit dem Alter eher ab-, die der Männer jedoch tendenziell zunimmt. Die aus Deutschland stammende Wirtschaftswissenschaftlerin Anke Plagnol, die heute an der Uni Cambridge arbeitet, und der amerikanische Glücksforscher Richard Easterlin haben für eine Untersuchung, die Ende letzten Jahres im „Journal of Happiness Studies“ erschien, Umfragen aus den USA ausgewertet, die seit Beginn der 70er Jahre bei einer festen Gruppe regelmäßig wiederholt werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Frauen zwischen 20 und 30 mit ihrem Leben ziemlich zufrieden sind. Die Männer dagegen sind mit sich und der Welt in diesem Alter am wenigsten im Reinen. Dafür scheint ihnen das mit den Jahren immer besser zu gelingen, ihre Zufriedenheitswerte steigen mit der Zeit immer mehr an. Mit 41 Jahren übersteigt die Zufriedenheit der Männer mit ihrer wirtschaftlichen Situation dann die der Frauen. Mit 48 Jahren überflügelt das „starke“ Geschlecht das „schwache“ auch in puncto Gesamtzufriedenheit.

Auf der Suche nach den Gründen haben Plagnol und Easterlin in den zwei entscheidenden Lebensbereichen Partnerschaft und Familie beziehungsweise Beruf und Finanzen genauer nachgeschaut. Dass junge Männer sich tendenziell unzufriedener zeigen als gleichaltrige Frauen, führen die Wirtschaftswissenschaftler zunächst auf deren kostspielige materielle Wünsche zurück: Teure Autos oder Immobilien könne Mann sich eben meist erst mit fortschreitendem Alter leisten. Zweitens brauchten die Jungs deutlich länger, um zu einer festen Partnerschaft zu finden – die sie sich doch genauso intensiv wünschten wie die Frauen. „Natürlich muss man nicht unbedingt verheiratet sein, um glücklich zu werden“, schreibt Forscherin Plagnol. Doch wenn man sich das stark wünsche, dann drücke es die Lebenszufriedenheit ungemein, falls der Wunsch unerfüllt bleiben sollte. Tatsächlich bleibt er im Alter häufiger für Frauen unerfüllt – die dann öfter verwitwet oder getrennt leben. Das wiederum hat nicht selten auch negative Auswirkungen auf ihre wirtschaftliche Situation.

Doch lassen sich die US-Daten auf Deutschland übertragen? Hierzulande sind die Daten aus dem Soziökonomischen Panel, für das seit 1984 dieselben Personen jedes Jahr wieder befragt werden, eine Fundgrube in Sachen Lebenszufriedenheit. „Hier zeigt sich, dass es im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter, also zwischen 30 und 60, eine Art Delle in der Zufriedenheitskurve gibt, die Menschen sind dann tendenziell mit ihrem Leben weniger glücklich“, sagt die Soziologin Hilke Brockmann, die in der „Happiness Research Group“ der Jacobs University in Bremen forscht. Eine plausible Erklärung sieht sie in der Tatsache, dass in der mittleren Lebensphase einige Entscheidungen von beträchtlicher Tragweite schon getroffen sind. „Wer sich dann mit seinem Partner langweilt oder mit dem Verlauf der beruflichen Karriere unzufrieden ist, fühlt sich möglicherweise festgenagelt.“ Oder er muss große Energien aufbringen, um noch einmal ganz neu zu „investieren“.

Die U-Kurve des Glücksverlaufs zeigt sich, anders als in der US-Studie, bei beiden Geschlechtern. „Männer erholen sich allerdings im Schnitt vom Tief der mittleren Jahre besser als Frauen“, hat Brockmann festgestellt. Wer die bösen Hormone oder andere biologische Unterschiede im Verdacht hat, wird von der Soziologin eines anderen belehrt: Bei Frauen schlage in dieser Lebensphase besonders negativ zu Buche, wenn sie Kinder unter 16 allein großzögen und wenn sie finanziell schlecht dastünden. „Rechnet man solche Faktoren heraus, dann zeigt sich, dass das Glück der Frauen sogar weniger vom Lebensalter abhängig ist als das der Männer.“ Zum Beispiel würden Frauen weniger leicht aus der Bahn geworfen, wenn ihr beruflicher Status in Gefahr ist.

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on TumblrShare on Google+Print this pageEmail this to someone

Falls Dir dieser Beitrag gefällt, freuen wir uns über Deine Unterstützung!


Dein Glücks-Newsletter

Unser kostenloser Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles rund ums Thema Glück.

Datenschutzrichtlinien