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Was ist Schüchternheit?

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Dr. Allwissend klärt auf!

Unter Schüchternheit (hochsprachlich auch Scheu, veraltend Scheue) versteht man die Ängstlichkeit eines Menschen beim Anknüpfen zwischenmenschlicher Beziehungen. Im Gegensatz zu Scham, Verlegenheit, Lampenfieber, Love-shyness undSexualangst, die sich nur in speziellen Situationen zeigen, bezeichnet Schüchternheit die allgemeine Neigung eines Menschen, auf die Begegnung mit nicht vertrauten Menschen mit Verunsicherung oder Furcht zu reagieren. Schüchternheit ist, soweit sie kein Leiden erzeugt, keine psychische Störung, sondern ein Ausdruck des Temperaments eines Menschen.

Bei Säuglingen tritt im Alter zwischen dem vierten und achten Lebensmonat regelmäßig eine Entwicklungsphase der Schüchternheit auf, die man als Fremdeln bezeichnet.

Abgrenzung des Begriffs

Viele Menschen lassen bereits in der frühen Kindheit eine Disposition zur Ängstlichkeit erkennen. Diese kann durch Erziehung stark beeinflusst werden, ist nach aktuellem Forschungsstand aber angeboren. Die Ursachen sind vermutlich neurochemischer Natur. Betroffene Kinder haben eine übererregbare Amygdala und reagieren infolgedessen bereits auf minimale Auslöser mit Furcht und Geschrei. Unbekannte, neue Situationen wirken ebenso beängstigend wie die Begegnung mit unvertrauten Menschen. Da der Furchtmechanismus in beiden Fällen derselbe ist und die Betroffenen auch im Laufe ihrer weiteren Entwicklung sowohl zur Schüchternheit als auch zur Ängstlichkeit neigen, behandelt die forschungsorientierte Psychologie „Schüchternheit“ heute nicht als isoliertes Symptombild, sondern als Ausdrucksform vonÄngstlichkeit.

Schüchterne und ängstliche Menschen sind häufig introvertierte Persönlichkeiten. Extrovertierte schöpfen ihre Kraft aus dem Umgang mit anderen Menschen, Introvertierte schöpfen aus sich selbst.  Es gibt allerdings auch schüchterne Extrovertierte. Diese haben ihre Kindheitsscheu überwunden und gelernt, sich erfolgreich unter Menschen zu bewegen; trotz ihrer Sozialkontakte fühlen sie sich häufig aber isoliert und einsam. Die Psychologen Mark Snyder und Daniel Goleman sprechen im selben Zusammenhang von „sozialen Chamäleons“, die ihre hochentwickelten sozialen Fähigkeiten nicht in Balance mit den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen zu halten vermögen. Umgekehrt gibt es auch nicht-schüchterne Introvertierte. Diese fühlen sich unter Menschen zwar wohl und kommen gut mit ihnen zurecht, ermüden in Gesellschaft aber schnell und müssen sich, um ihre Energie wiederherzustellen, zurückziehen.

Oft schwer zu bestimmen ist der Übergang zwischen einer „ganz normalen“ Schüchternheit und einer sozialen Phobie. Bei letzterer besteht allerdings massiver Leidensdruck.

Leicht zu verwechseln ist die alltägliche Schüchternheit auch mit Symptombildern, bei denen nicht Furcht der Aufnahme sozialer Beziehungen im Wege steht, sondern ein Mangel an emotionaler und sozialer Kompetenz. Dies ist zum Beispiel bei Störungen im Autismusspektrum der Fall. So haben viele Menschen mit Asperger-Syndromzwar einen lebhaften Wunsch nach Freundschaft, sind jedoch nicht in der Lage, nonverbale und parasprachliche Signale anderer Menschen intuitiv zu erkennen und zu verstehen. Im englischen Sprachraum wird dieses Phänomen als dyssemia bezeichnet. Infolgedessen kommunizieren sie ungeschickt und werden dadurch leicht zuAußenseitern.

Jenseits aller Psychopathologie können auch Empathie und kulturelle Faktoren wie Taktgefühl und Höflichkeit einen Menschen daran hindern, offensiv Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen.

 

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