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Menschenwürde, was ist das?
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Menschenwürde, was ist das?

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© Hans-Jörg Aleff/Flickr

von Lea Runge

Was ist Menschenwürde?

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

So lauten die ersten beiden Sätze des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Am 23. Mai 1949 hat der Parlamentarische Rat das Grundgesetz verabschiedet – die rechtliche und politische Grundordnung Deutschlands.

Im Grundgesetz verankert sind die Grundrechte, die nach den Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus eine ganz besondere Bedeutung haben. Sie legen fest, welche Rechte jeder Mensch gegenüber den Trägern der Staatsgewalt hat. Der Schutz der Menschenwürde hat dabei eine herausragende Stellung, denn sie ist der oberste Wert unserer Verfassung.

Aber was genau ist überhaupt Menschenwürde? Ist sie angeboren? Ist sie eine gegenseitige Zuschreibung?  Ist sie eine Sache der Weltanschaung?

Die Idee der Menschenwürde hat ihre Wurzeln im frühen Juden- und Christentum. In den beiden Religionen beruht die Würde des Menschen auf seiner Gottesebenbildlichkeit und der daraus folgenden Gleichheit der Menschen.

Vor Gott sind alle Gläubigen gleich

Zu einem philosophischen Konzept wurde die Menschenwürde erst in der Epoche der Aufklärung. Der Philosoph Immanuel Kant hat die Menschenwürde 1797 in seinem Werk Die Metaphysik der Sitten definiert. Für ihn besteht sie aus der Achtung vor dem Anderen, dem Anerkennen seines Rechts zu existieren und dem Anerkennen einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen. Warum Menschen – im Gegensatz zu Sachen – eine Würde hätten, hat für ihn einen einfachen Grund: Menschen seien vernunftbegabt und haben somit die Freiheit zum moralischen Handeln. Die Menschenwürde ist somit angeboren. Der Mensch habe dabei immer nur den Zweck an sich selbst. Aus diesem Grund dürften Menschen niemals als Sache gebraucht werden. Die Menschenwürde werde also verletzt, sobald ein Mensch einem anderen als Mittel für seine eigenen Zwecke diene – zum Beispiel zur Sklaverei.

Das deutsche Rechtssystem beruht auf eben dieser Position, also auf der Vorstellung vom Menschen als Träger angeborener Menschenwürde und als geistlich-sittlichem Wesen, das darauf angelegt ist, in Freiheit sich selbst zu bestimmen und zu entfalten.

Die Ideologie des Nationalsozialismus mit seinem Rassismus und Sozialdarwinismus, hat das Prinzip der Menschenwürde verachtet. Stattdessen hieß es: „Recht ist, was dem Volke nützt“. Der Holocaust war der Gipfel dieser Menschenverachtung.

Nach Ende des Nationalsozialismus hat nicht nur Deutschland mit dem Erlass des Grundgesetzes auf den Nationalsozialismus reagiert. Am 10. Dezember 1948 verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in Paris, dessen erster Satz lautet

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Die Erklärung besteht aus 30 Artikeln, die jedem Menschen die gleichen Rechte zusprechen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Religion, sozialem Stand und politischer Überzeugung. Auch sie beruht auf der Ansicht, dass der Mensch eine angeborene Würde hat.

Einige Philosophen bezweifeln jedoch, ob es überhaupt ein allgemeingültiges Verständnis von angeborener Menschenwürde  geben kann, oder ob diese nicht eine Sache der Weltanschauung ist. Vielleicht ist die Menschenwürde ja doch nur eine Illusion. Eine Fiktion, mit deren Hilfe die Menschheit lediglich ihr bedrohtes Selbstwertgefühl in der übermächtigen Welt zu stärken versucht und eine Selbstverachtung verhindert, die den Menschen angesichts ihrer Nichtigkeit und Ohnmacht im unermesslichen Weltall befallen könnte.

So gehen einige Philosophen davon aus, dass die Würde am Ende aus der gegenseitigen Achtung der Bürger besteht und aus dem Wert und dem Respekt, den sie einander zuschreiben.

Menschenwürde beginnt bei der Liebe zu sich selbst und der Liebe allem Leben gegenüber.

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