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Regisseur Petri Luukkainen über Glück & Loslassen

Regisseur Petri Luukkainen über Glück & Loslassen

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Petri ist Mitte 20 als seine Freundin ihn verlässt. Er tröstet sich, indem er seine Kreditkarte zum Glühen bringt. Er kauft und kauft und kauft. Glücklicher wird er dadurch nicht.

Petri steckt tief in einer echten Existenzkrise, als er sich entscheidet, ein Selbst-Experiment zu starten: Er packt alles (wirklich alles!), was er hat in ein Self Storage-Lager und legt klare Regeln fest: 1. Das Experiment dauert ein Jahr. 2. Jeden Tag darf er einen Gegenstand aus dem Lager zurückholen. 3. Neue Dinge kaufen, darf er in dieser Zeit nicht. Er setzt sein Leben zurück auf Anfang.

Petris neues Leben beginnt nackt in einem leeren Apartment. Die Uhr tickt, er wartet auf Mitternacht, wenn er den ersten Gegenstand aus dem Lager holen darf.

Und als Petri losläuft; durch eine bitterkalte Januarnacht in Helsinki, nur bekleidet mit einer Zeitung aus dem Müllcontainer, kann er die Herausforderungen nur erahnen, die sich ihm in diesem Jahr stellen werden.

MY STUFF stellt die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben. Dabei hält der Film uns allen auf humorvolle Weise einen Spiegel vor. MY STUFF ist ein Film der Selbsterkenntnis.

Interview

Warum haben Sie sich für Ihren Film MY STUFF so sehr mit sich selbst auseinandergesetzt?

Ich war eines Tages in meiner Wohnung und ich fühlte mich überhaupt nicht mehr wohl. Ich sah mich um. Egal, wohin ich blickte, ich sah Kram, Zeugs, Sachen. Ich dachte mir: Werde das alles los und du wirst ein glücklicherer Mensch.

Im Ernst: Ich hatte den Eindruck, dass mich alles erdrückt, dass ich nicht einmal mehr klar denken konnte, weil alles voller Sachen war.

Wie fing dann alles an?

Es war zunächst nur eine Idee: Ich werde alles Zeugs los und es wird eine reinigende Kraft haben. Dann sprach ich mit Freunden darüber, und die stimmten sofort zu: Klingt spannend, das sollten wir filmen. Und so starteten wir. Ich habe mir die Regeln gesetzt, ein Freund von mir drehte, ich ebenfalls, und alles nahm seinen Lauf.

Nur so konnten wir auch so unmittelbar arbeiten, wie wir es getan haben. Für mich war es das erste Mal, das ich vor der Kamera war. Das ist eigentlich nicht mein Ding. Ich habe nicht mal mein Foto auf Facebook.

Ihr Experiment dauerte ein Jahr. Hatte es darüber hinaus auch noch Auswirkungen für Ihr Leben?

Es hat mein Leben in vielerlei Hinsicht beeinflusst und verändert. Ich bin danach nicht einfach zurück gegangen und habe alles aus dem Lager abgeholt und gelebt wie ich es vor dem Experiment getan hatte.

Ich habe gespürt, dass ich wirklich das meiste nicht brauche. Und natürlich wurde ich mir über vieles bewusst. Ich habe meinen C02 Fußabdruck ausgerechnet und es war schnell klar, dass er jenseits von Gut und Böse ist. Natürlich war auch ich viel zu viel geflogen. Ich habe es geschafft, drei Jahre lang kein Flugzeug zu nehmen. Ich habe Containerschiffe aus Finnland heraus genommen, bin in Europa viel Zug gefahren. Es war eine entschleunigte Zeit. Sehr angenehm. Aber auch recht teuer. Es wird einem dann erst bewusst, wie schwer es einem gemacht wird, nicht einen Billigflieger zu nehmen um von A nach B zu kommen…

Als Sie Ihr Projekt starteten, hatten Sie da schon fest im Blick, was passieren würde und welchen Langzeiteffekt es haben würde?

Nein. Als ich begann, dachte ich erst: Na, vielleicht reduziere ich mich auf 1000 Dinge. Und da dachte ich schon: Oh, mein Gott. Das geht gar nicht. Dann dachte ich: 200 Sachen. Das ist mutiger. Aber das machte alles noch keinen Sinn. Es musste eine extreme Entscheidung sein. Etwas, was eine Fallhöhe darstellt und wirklich weh tut. Und das tut es, wenn Sie wirklich alles wieder auf Anfang drehen und bei Null anfangen.

Wie haben Sie die Filmaufnahmen dann organisiert?

Um ehrlich zu sein: Es war die Hölle! Wir hatten fast 300 Stunden Material. Das ist der Alptraum jedes Cutters. Aber auch jedes Regisseurs. Wir hatten letztlich sieben Geschichten: Meine Großmutter, mein Kram, die Freundin, der Kühlschrank… Und irgendwann merkten wir: Hey, irgendwas ist besonders an diesem Kühlschrank, das ist der rote Faden.

Die Geschichte Ihrer Großmutter, eine Stimme der Weisheit und Liebe im Film, manchmal auch fast eine Art griechischer Chor, ist sicher eine der Berührendsten…

Meine Großmutter ist wundervoll. Natürlich ist es auch ein bisschen traurig, wenn sie diesen Unfall hat und ihre Wohnung verlassen muss und ins Altersheim zieht. Sie hat eine wundervolle Art, einem die Augen zu öffnen. Sie hat recht: Dein Leben besteht nicht aus deinen Sachen, die meisten Besitztümer sind nur Requisiten in deinem Leben.

Mein Verhältnis zu Sachen hat sich radikal gewandelt. Am Anfang war ich ein Mann, der dachte, sein größtes Problem sei, dass er zu viele Dinge besitzt und nicht weiß, was er damit anfangen soll. Mal ehrlich: das ist kein Problem, das ist eher traurig.

Keine Ahnung, vielleicht bin ich heute sogar materialistischer, eben weil ich Dinge viel mehr wertschätze.

Wenn Sie zurückdenken: Welche Tage des Jahres waren die interessantesten?

Am Anfang gab es natürlich ganz existentielle, körperliche Herausforderungen: Du hast nichts anzuziehen. Körperpflege ist keine einfache Selbstverständlichkeit mehr. Du schläfst auf dem Boden und hast keine Decke, kein Kissen. Das war schon toll. Auf Dauer kann ich es aber nicht empfehlen.

Am Ende des Films sehen wir, dass noch so viele Sachen im Lager zurückbleiben. Was ist damit passiert?

Wir hatten einen Moment lang überlegt, das in den Film einzubauen. Aber dann dachten wir: Warum sollten wir…? Ich hatte das Gefühl, so denken die Zuschauer stärker über sich selber nach: Was würde ich machen in seiner Situation? Was würde ich von meinen eigenen Sachen behalten wollen bzw. unbedingt wieder zurück haben wollen?

Nach dem Jahr hatte ich also so ungefähr 365 Gegenstände. Und ich hatte die Liebe meines Lebens gefunden. Warum sollte ich alles aus dem verdammten Lager rausholen. Weil ich aber eben doch nicht so konsequent bin, wie ich es gerne wäre, bin ich nach ein paar Monaten noch einmal zurück, habe vielleicht 100 Sachen rausgenommen. Und dann habe ich den Sperrmüll gerufen. Das war ein nettes Telefonat: „Wieviele Sachen haben Sie denn? Sollen wir mit einem Kleinbus kommen?“.

Und ich: „Kommen Sie besser mit einem Sattelschlepper.“

Hier geht’s zum Filmtipp & Trailer

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