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Sind reiche Leute wirklich weniger mitfühlend?

Sind reiche Leute wirklich weniger mitfühlend?

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© kieferpix by iStock

Reiche Leute, so hören wir es immer wieder, sind auch relativ großzügig. Klar, wer viel hat, der kann viel geben. Bill Gates, Mark Zuckerberg, Oprah Winfrey. Die Liste derer, die großzügig spenden ist lang. Man könnte also meinen, dass Reichtum Menschen auch ein wenig großherziger macht. Sie können es sich schließlich leisten!

Aber stimmt das überhaupt?

Dacher Keltner ist Psychologieprofessor und forscht zu genau diesem Thema. Mitgefühl und Großzügigkeit. Doch anders als man glauben mag, hat die Forschung herausgefunden, dass reiche Menschen mitnichten sonderlich großzügig sind. Menschen aus der Mittelschicht und ärmere Menschen geben nämlich proportional mehr Geld für wohltätige Zwecke aus.

Laut Keltner macht das auch Sinn. Denn je ärmer jemand ist, desto mehr ist er auf andere Menschen angewiesen. Mehr darauf angewiesen, sich gegenseitig zu helfen, seine eigenen Ressourcen zu teilen. Das Erstaunliche ist, dass sich dieser Reflex sogar in unseren Körpern abspielt.



Ein Nerv für Mitgefühl

Keltner und sein Team machten Experimente mit Studenten. Die Wissenschaftler untersuchten die Tätigkeit des sogenannten Vagusnerv. Dieser Nerv wird als der physiologische Ursprung des Mitgefühls gesehen, ein aktiver Vagusnerv führt dazu, dass wir uns emotional bewegt fühlen. Ähnlich fühlt sich Mitgefühl an. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Studenten aus niedrigeren sozialen Schichten die größte Vagusnerv-Aktivität zeigten, nachdem ihnen Bilder von Krebspatienten vorgelegt worden waren. Für Keltner ein ziemlich eindeutiges Zeichen.

Nun kann man diese Ergebnisse natürlich auch ganz nüchtern betrachten. Ärmeren Menschen, vor allem in den USA, wo die Experimente gemacht wurden, geht es oft schlechter als reicheren Menschen. Und zwar auch körperlich. Sie haben schlechtere Krankenversicherungen, ein Netz an Unterstützung, das in den USA nicht sonderlich ausgeprägt ist. Zugleich verstärken aber diese Erlebnisse auch das Mitgefühl – nach dieser Lesart können reichere Menschen also wenig dafür, wenn sie weniger Mitgefühl spüren: Es ist nicht so wichtig für ihr alltägliches Leben!

Was lässt sich dagegen tun?

Nun, nehmen wir diese Forschungsergebnisse zur Grundlage, sollten reichere Leute dafür sorgen, nicht nur unter ihresgleichen zu bleiben. Ein Vorwurf, der ja auch oft genug gemacht wird. Und vielleicht auch ein klein wenig etwas mit den Vorwürfen zu tun hat, die sich viele Politiker anhören müssen: Sie sind fernab von den Sorgen des „kleinen Mannes“. Ob daran etwas dran ist oder nicht, fest steht, dass unser Mitgefühl trainierbar ist. Dabei geht es nicht darum, sich besonders schlimmen Situationen auszusetzen. Es geht vielmehr darum, Antennen für die eigenen Privilegien zu entwickeln und dadurch ein besseres Gespür dafür zu erlangen, wie gut es einem selber geht. Mit ein wenig Glück, so die Hoffnung, lässt sich so auch das Mitgefühl mit anderen Menschen steigern.

Autorin: Simone Debour

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