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Single, Size + , kinderlos oder alleinerziehend? Warum ein Zustand nicht dein Etikett werden sollte.
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Single, Size + , kinderlos oder alleinerziehend? Warum ein Zustand nicht dein Etikett werden sollte.

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© Studiograndouest by istock photo

von Dagmar Thiam

Neulich war ich mal wieder bei einem Frauenabend. Lustig war’s und laut und frech – so wie ich es mir wünsche, wenn ich ausgehe.

Bis eine der Anwesenden eine Dame neben mir nach ihrem Freund fragte. Und diese sagte, dass sie sich schon vor längerer Zeit getrennt habe. Da blühte mein Gegenüber auf, hob’ die Hand zum Abklatschen und strahlte:

„Willkommen im Club. Da bist du ja jetzt auch Single, wie ich. Na, viel Spaß…“

Das klang allerdings eher frustriert als hoch erfreut. Und so entwickelte sich dann auch das weitere Gespräch – Nämlich über die Bürden des Alleinseins, das schlechte bis nicht vorhandene „Material“, die Urlaube, die man alleine planen muss, usw ….

Der Zustand „Single“ nahm offensichtlich große Teile des Lebens meiner Bekannten ein.

Mach Dich nicht zu einem Label

Es war nicht das erste Mal, dass ich mich fragte, wie hilfreich eine innere Einstellung ist, die den eigenen Lebensumstand zu einer Art Label macht, den man sich angeheftet hat. Sicher nicht bewusst, aber in vielerlei Hinsicht spürbar für die Anderen.

Die Konzentration auf die vermeintlich immer gleichen Probleme, die z.B. das Single-Dasein mit sich bringt. Und die „Verbrüderung“ mit Gleichgesinnten. Gespräche, die oft in die gleiche Richtung gehen. Und ein Gemüts-Zustand, der – befeuert von erwarteten Enttäuschungen  – weiter gegen Null driftet.

Natürlich sollte man als Frau mit unerfülltem Kinderwunsch diese Tatsache nicht verleugnen. Als Size Plus – Frau nicht verschämt zu Hause bleiben. Als Alleinerziehende nicht die unabhängige Superwoman spielen, die alles problemlos wuppt.

Nur sich innerlich in clubartige Kategorien einzuordnen, bedeutet:

Erstens permanent Gleichgesinnte anzuziehen, damit die eigenen Kreise sehr eng werden zu lassen und einseitige Gespräche zu führen.

Und zweitens Gefahr zu laufen, diesen Lebensumständen so viel Gewicht zu geben, dass sie mentale Selbstläufer werden mit uns als Vorsitzendem im „Ich bin…-Verein“.

Wenn wir jemandem begegnen, interessiert uns der Mensch: Was hat er erlebt, wovon träumt er, was befeuert ihn innerlich, wie humorvoll oder tiefgängig ist er?

Welche Kleidergröße jemand trägt, ob 5 oder 2 Menschen in seinem Haushalt wohnen, wie oft er Sex hat und mit wem – das werde ich vielleicht auch im Verlaufe von Begegnungen erfahren, aber wird nicht der Hauptgrund meines Interesses sein.

Ich bin auch allein erziehend, ich bin auch Single. Mein Freundeskreis wiederum ist ein bunte Mischung aus Familien, Alleinstehenden, Geschiedenen, Wiederverheirateten, Paaren mit und ohne Kindern – eben offenen Menschen, die sich gerne haben und mit großem Interesse miteinander wachsen. Jeder lernt von jedem. Wir reden sehr wenig über die Tatsache, wer welchen Lebensstatus hat, wenn es um die gern diskutierte Frage nach Glück und Erfüllung geht.

Interessanterweise werden nach meiner Beobachtung Menschen, die ihre Lebensphasen mit großer Neugier und Offenheit für die jeweiligen Erfahrungen durchlaufen, selten von außen in Schubladen eingeordnet.

Sprich: Es wird nicht wahrgenommen, ob hier ein Single am Tisch sitzt oder eine alleinerziehende Mutter, die sich mit Mühe den Abend freigeschaufelt hat – sondern die Offenheit und Lebenslust, mit der sie sich diesen kostbaren Stunden öffnen können, macht Begegnungen zu Freudenfesten. Und bildet Glücksmomente genauso wie einen wachsenden Kreis interessanter und unterschiedlicher Bekannter.

Es geht um die Grundeinstellung

Es geht um die Grundeinstellung, mit er wir unser Leben bestreiten: Bin ich innerlich den ganzen Tag im Staus „alleinerziehend“? Oder schaffe ich mir  regelmäßig Zeiträume, wo ich nur „ich“ bin? Die lustige Monika, die sich bärig auf einen spaßigen Abend mit Freunden freut; die kreative Iris, die bei schönem Wetter spazieren geht und Fotos macht; die nachdenkliche Yvonne, die in der leeren Kirche ihren Gedanken nachhängt…

Raum für Gespräche über den Frust als Single oder den Schmerz über einen unerfüllten Kinderwunsch darf und muss es geben – mit guten Freunden, die emphatisch mitfühlen oder auch Experten, die Hilfestellungen geben.

Foren und Hilfe für Alleinerziehende sind absolut notwendig, genauso wie der Kampf für bessere Bedingungen in dieser immer häufiger entstehenden Familien-Situation.

Ein unsichtbares Etikett mit der Aufschrift „Alleinerziehende“ oder „Single“ durch den Alltag zu tragen, macht meiner Erfahrung nach aber nicht freier oder entspannter.

Es engt die eigene Wahrnehmung ein, da das Leben durch einen Filter gesehen wird, den Filter des jeweiligen Zustandes. Dieser nimmt – wie eine unsichtbare Dunstglocke – die gesamt Aura des Menschen ein.

Size +, Gassi gehen und ein Planet ohne Männer

Geht die Frau mit Rundungen abends aus und zieht das an, wonach IHR ist – unabhängig von aktuellen Modetrends – wird sie sicher nicht vermeiden, dass es Menschen gibt, denen das nicht gefällt. Sie wird aber viel mehr die wahrnehmen, die sie für ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstbewusstsein bewundern und sie kennenlernen möchten.

Erlebe ich mich bei jedem Ausgehen innerlich als alleine, nehme ich permanent die glücklichen Paare wahr, führe ich immer wieder Gespräch, die mich frustrieren, ja – ich glaube fest daran, dass es kaum Single-Männer gibt.

Ein schönes Beispiel: Ich habe ein längeres Gespräch mit einer Dame geführt, die Single ist und sich fragte, wo sie denn um Himmels Willen Männer kennenlernen solle. In Ihrer Wahrnehmung gab es so gut wie keine, seit Jahren sei sie alleine und frustriert über die „Marktlage“. Da sie einen Hund hat, fragte ich sie, ob sie denn nicht beim Spazierengehen alleinstehende Männer mit Hunden träfe (Ich habe nämlich jede Menge Freunde mit Hunden, die mir regelmäßig berichten, wie viele Bekanntschaften sich schon beim Gassi-gehen ergeben hätten)?

Die klare Antwort war: Es gäbe ÜBERHAUPT keine Männer, die alleine mit Hund unterwegs wären, die seien quasi nicht existent.

Ich konnte mir dies zwar schwer vorstellen, habe aber diese Erkenntnisse aus eigenem Erfahrungsmangel so hingenommen.

Eine Woche später ging ich zufällig mit einer Freundin an einem schönen Sonntag Nachmittag an Berlins frequentiertestem See für Hundebesitzer spazieren. Ich dachte sofort wieder an mein Gespräch und war sehr gespannt – um nicht zu sagen, ich war komplett auf Empfang geschaltet, was das Thema Männer anbetraf.

Was ist passiert? Ich habe noch nie so viele alleinstehende Männer gesehen, wie an diesem Nachmittag. Es wimmelte nur so von Testosteron – in tierischer und menschlicher Ausprägung.

Mein Vorschlag:

Wie wäre es mit einer großzügigen, lebensfrohen Haltung uns selbst gegenüber? Und dem Vertrauen, dass wirklich alles kommen kann, aber nichts muss. Und dies nichts mit unserem Lebensumstand zu tun hat.

Denn:

Ich bin nicht mein Gewicht.

Ich bin nicht mein Beziehungsstatus.

Ich bin nicht meine Mutter.

Ich bin nicht mein Familienstand.

In diesem Sinne, auch wenn die Umstände nicht einfach sind:

Hefte dir kein Etikett an und mach’ so oft es geht etwas, was DICH glücklich macht.

PS. Du möchtest mehr als Dein Etikett sein? Dafür gibt’s hier Tipps & Tricks

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