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Sofias Leben ohne ihre Eltern: Der Tod ist nicht das Ende

Sofias Leben ohne ihre Eltern: Der Tod ist nicht das Ende

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“Wasser kann flüssig sein, kann verdampfen, kann gefrieren. Warum soll also die Energie eines Menschen verschwinden?”

Von Anne Schaarschmidt/Lovingmind

Sofia ist 19, als sie ihren Vater in den Himmel verabschieden muss. Fünf Jahre später, am gleichen Wochentag und um exakt die gleiche Zeit, holt er ihre Mama dazu. Sie hat jetzt zwei Schutzengel mehr, die von ganz oben jeden Schritt, den sie auf der Erde tut, beobachten. Doch ihr Leben im Hier und Jetzt geht weiter. Wie sie mit dem Abschied, der Trauer und dem Weitermachen umgeht, erzählt sie heute.

Jeder ist irgendwann einmal davon betoffen und trotzdem ist der Tod das größte Tabuthema. Freunde, Bekannte oder Kollegen wissen manchmal gar nicht, wie sie reagieren sollen oder helfen können, obwohl sie gerne wollen. Was hättest du dir von diesen Personen gewünscht?

Es hätte mir gut getan, wenn sie einfach gefragt hätten, wie es mir geht. Ich habe von niemandem erwartet, dass er meinen Psychologen spielt, aber viele haben so getan, als wäre nichts passiert. Natürlich aus lauter Angst, dass sie was Falsches sagen. Aber zu fragen, wie es einem geht, ob man reden möchte oder ob man einem was Gutes tun kann, damit kann man nichts falsch machen. Wenn derjenige nicht darüber sprechen will, wird er es einem sagen. Aber zumindest hat man dann das Gefühl, dass die Leute an einen denken und man somit nicht komplett alleine mit der Sache fertig werden muss. Zu sagen “Ich weiß nicht, was ich sagen soll” ist meiner Meinung nach eine schlechte Ausrede, man drückt sich lediglich davor, sich mit einem “negativen” Thema zu beschäftigen. Wenn man den Mut hat, diesen Standpunkt zu überwinden und zu fragen, wird derjenige es einem danken. So war es zumindest bei mir.

Deine Lieben sind gegangen, aber der Schmerz über den Verlust deiner Eltern ist geblieben. Wie schaffst du es, das zu verarbeiten?

Ich gehe durch den Schmerz und schiebe ihn nicht weg. Das kann sehr weh tun und man konfrontiert sich mit vielen schlimmen (aber auch schönen) Erinnerungen. Nur so kann es mit der Zeit besser werden und man kann irgendwann damit Frieden schließen. Meiner Meinung nach kommen alle Gefühle, die man ignoriert und verdrängt, früher oder später wieder hoch. Wenn mir also nach Heulen zumute ist, dann heul ich eben – dafür geht es mir danach auch wieder besser.

Wie tankst du neue Kraft, wenn dich die Gefühle deiner Vergangenheit einholen und schwächen?

Am meisten helfen mir die lieben Menschen um mich herum, bei denen ich weiß, dass es kein Problem ist, meine Gefühle zu zeigen. Menschen mit starken Schultern und großen Herzen, die sich auch nicht scheuen, nachzuhaken, wenn ich ihnen von meinen Eltern erzähle. Ich kann sie zwar an einer Hand abzählen, aber dafür sind sie Gold wert. Ansonsten hat mir oft geholfen, mir meinen MP3-Player zu packen und alleine einen Spaziergang in die Natur oder die Berge zu machen. Nach einer Stunde ist der Kopf wieder frei. Das ist eine ganz simple Therapie für mich.

Wie beruhigst du dich in Phasen tiefer Trauer?

Ich habe für mich beschlossen, dass niemand einfach weg ist, nur weil er stirbt. Ich sehe das wie Aggregatszustände: Wasser kann flüssig sein, kann verdampfen, kann gefrieren. Warum soll also die Energie eines Menschen verschwinden. Sie geht meiner Meinung nach nur von einem Aggregatszustand (dem sichtbaren Körper) in einen anderen (nicht mehr sichtbar, aber deshalb nicht weniger vorhanden) über. Deshalb weiß ich auch, dass die beiden noch da sind und ich rede mit ihnen, wenn mir danach ist. Ich stelle mir auch manchmal vor, dass sie im Bayrischen Himmel sitzen wie beim “Brandner Kasper” und dann freu ich mich selbst schon auf da oben, aber das ist eine andere Geschichte.

Gab es auch Bücher, die dir weitergeholfen haben und die du empfehlen kannst?

Sicher findet man auch in der Literatur immer wieder das Thema Trauer und Tod. Mir haben die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross “Über den Tod und das Leben danach” und Byron Katies Bücher über “The Work” (dazu gibt es auch eine Website) geholfen.

Was hat sich durch diese Schicksalsschläge in deinem Leben geändert?

Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Nach dem Tod meiner Mama musste ich mich plötzlich um Dinge kümmern, von denen ich bis dato keine Ahnung hatte, weil sie sie immer für mich erledigt hat. Mein Schicksal hatte offensichtlich den Plan, mir mit 25 diese Lektion zu erteilen. Und es ist gut so, ich bin nun komplett selbstständig, lebe mein Leben ohne Hilfe von außen.

Wie schaffst du es, mit deinem Schicksal Frieden zu schließen?

Ich glaube, alle Dinge im Leben passieren, weil sie passieren sollen. Für mich gibt es keine Zufälle, sondern einen vorbestimmten Weg. Alles was mir widerfährt, vor allem die vermeintlich negativen Dinge, verstehe ich als Lektionen. Sie passieren aus einem bestimmten Grund. Und wenn man genau hinsieht (und das auch möchte), wird man etwas daraus lernen. Es mag vielleicht im ersten Moment sehr makaber klingen, aber in den meisten Fällen kann man sogar etwas Positives daraus ziehen.

Kannst du das genauer beschreiben?

Ja. Ich habe mich of gefragt, warum mein Papa acht Monate auf der Intensivstation leiden musste, und warum es nicht einfach ein Herzinfarkt hätte sein können. Heute weiß ich, dass meine Mutter und ich so die Möglichkeit hatten, noch sehr intensiv und bewusst viel Zeit miteinander zu verbringen. Wir sind sehr liebevoll miteinander umgegangen. Ich hatte die Zeit, meinem Papa zu sagen, dass er der beste Papa auf Erden ist. Das alles hätte ich nicht gekonnt, wenn es von heute auf morgen passiert wäre. Eine positive Antwort auf meine Frage: “Warum hat mich meine Mama auch noch alleine gelassen?” zu finden, war nicht so leicht. Aber der Gedanke, dass die beiden am selben Wochentag und zur selben Uhrzeit gegangen sind, stimmt mich versöhnlich. Mir ist plötzlich klar geworden, dass mein Vater meine Mutter zu sich geholt hatte oder sie einfach zu ihm musste.

Also kannst du jetzt sogar verstehen, warum alles so gekommen ist?                                                                                    

Ja. Meiner Mutter ging es die letzten Jahre nicht gut ohne meinen Vater. Es war also die logische Konsequenz. Und wenn man nicht strikt daran festhält, dass der Tod etwas Schlimmes und Negatives ist, kann man sich auch mit der Person freuen, dass es ihr nun gut geht. Zu sagen, “Du hättest mich nicht verlassen sollen, mir geht es schlecht ohne dich”, ist in meinen Augen ein wenig egoistisch. Ich habe noch vor nicht allzu langer Zeit selbst so gedacht. Aber fairer ist es, sich mit der Person zu freuen, die von ihrem Leiden befreit wurde. Gerade wenn sie einem sehr am Herzen gelegen hat. Man selbst kommt sowieso früher oder später hinterher und sieht sich wieder.

Wie hat dein Schicksal dich verändert? 

Mein Schicksal hat mich stärker gemacht. Ich habe jetzt schon das wahrscheinlich Schlimmste hinter mir und deswegen muss ich da nicht noch einmal hindurch. Manche würden wohl sagen, dass ich gerne träume und mir mein Denken gern zurechtlege. Ja, ich drehe es so hin, dass es für mich irgendwie Sinn macht. Aber ich weiß besser denn je, dass es sich genau so gut anfühlt und komme gut damit zurecht. Das heißt nicht, dass mir die beiden manchmal nicht unglaublich fehlen und ich deshalb sehr traurig bin, aber meine Denkweise bringt mich aus den Tiefs dann auch wieder schnell raus.

Was würdest du anderen Menschen gerne sagen, die einen lieben Menschen verloren haben?       

Stellt euch euren schmerzlichen Gefühlen und akzeptiert sie. Nur so werden sie irgendwann kleiner und vergehen. Redet mit vertrauten Menschen darüber. Man findet mit der Zeit diejenigen, mit denen das am besten geht. Und wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, dann versucht, die Geschichte aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht sogar mit dem Ziel, dass man irgendwann sogar etwas Positives daran findet.

PS. Wir alle haben nur begrenzte Lebenszeit, die wir nur zu leicht mit Nebensächlichem verplempern. Wie Du mehr aus Deiner Zeit machen kannst, um später auf ein erfülltes Leben zurückblicken zu können, erfährst Du hier

 

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