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Was uns die US-Wahl über’s Leben beibringen kann

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Was uns die US-Wahl für unser eigenes Leben beibringt

Kopfschütteln. Für viele von uns ist das die fast schon normal gewordene Reaktion auf alles, was wir vom US-Wahlkampf mitbekommen. Insbesondere des Wahlkampfs von Kandidat Trump. Da werden Videos von Trump-Unterstützern gepostet, in denen Deutschland als “Islamischer Staat” beschrieben wird. Trump selbst glaubt, ein Zaun würde Probleme lösen. Und viele seiner glühendsten Anhänger tragen die Aluhüte der Verschwörungstheoretiker.

Da kann man schon mal mit dem Kopf schütteln. Aber uns sollte auch klar sein, dass hierzulande zwar vieles anders, aber nicht alles besser ist. Auch hier gibt es genügend Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben und sich mit abstrusen Horrorszenarien politisch über Wasser halten.

Vielen Politikern ist schon etwas länger klar geworden, was diese Menschen antreibt. Es ist das Gefühl der fehlenden Teilhabe. Das Gefühl, sozial ins Hintertreffen zu geraten. Und diese Analyse wird jetzt auch durch wissenschaftliche Studien unterstützt. Zwei Psychologen der Princeton University stellten fest, dass Menschen denen ein Sinn im Leben fehlt, wahrscheinlicher an abstruse Theorien glauben.

In der ersten Studie, die sie in ihrem Aufsatz analysieren, wurden knapp 200 Probanden gebeten, einen unangenehmen Moment zu beschreiben, den sie vor Kurzem mit ihren engen Freunden erlebt hatten. Im Anschluss sollte dieser Moment mit einer Emotion beschrieben werden, 14 standen zur Auswahl, eine davon war “ausgeschlossen sein”. Der zweite Schritt der Studie bestand darin, anzugeben, inwiefern diese Personen glaubten, einen “Sinn” in ihrem Leben gefunden zu haben. Zum Schluss sollten sie angeben, zu welchem Grad sie an drei weit verbreitete Verschwörungstheorien glauben. Die Schlussfolgerung, die die Forscher ziehen konnten, lautet: Diejenigen, die besonders an Verschwörungstheorien glaubten, konnten sich auch an ein Gefühl des sozialen Ausschlusses erinnern. Nach den Forschern soll der Glaube an die Verschwörungstheorien auch von der Suche nach einem Lebensinhalt angestachelt werden.

Im Rahmen der zweiten Studie wurden Studierende gebeten, kleine Essays zu schreiben. Diese Essays würden dann anderen Teilnehmern gegeben, die auf Basis dieser Essays entscheiden sollten, ob sie gerne mit den Verfassern zusammenarbeiten würden. Das hatte man den Studierenden gesagt, aber die Auswahl wurde wahllos getroffen. Im Anschluss wurden die Studierenden nach ihrem Gefühl des sozialen Ausschluss sowie nach ihrer Tendenz zum Aberglauben befragt.

Auch hier konnten die Wissenschaftler feststellen, dass diese Elemente bei Menschen stärker ausgeprägt waren, die sich ausgeschlossen fühlten: “Sich sozial ausgeschlossen zu fühlen führt Menschen dazu, abergläubisch zu sein und Verschwörungstheorien verstärkt zu glauben.”

© Lorraine Boogich by istock photo

Schon spannend, oder? Mit diesen Studien im Hinterkopf lassen sich also vielleicht auch gewisse Gruppierungen und Anhänger wüstester Verschwörungstheorien besser verstehen. Viele Trump-Unterstützer zum Beispiel. Denn Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, glauben eher an Verschwörungstheorien und der Glaube daran könnte im nächsten Schritt wieder dazu führen, dass sie sich noch mehr ausgeschlossen fühlen. Und so weiter. Bis sie dann auf eine Gruppe treffen, die ihren Glauben teilt und ihnen das Gefühl vermittelt, dazuzugehören.

Viel wird darüber geschrieben, wie sich Hass erklären lässt, wie es zu Trump als Kandidaten überhaupt kommen konnte. Welche intellektuellen Modelle wir brauchen, um diese Phänomene zu verstehen. Dabei geht es doch, auch, um eine schlichte Sache: Menschen das Gefühl zu geben, dazuzugehören. Das ist zwar nicht einfach. Aber wir können zumindest alle etwas dafür tun.

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