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Warum ich so froh bin, dass Olympia endlich vorbei ist
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Warum ich so froh bin, dass Olympia endlich vorbei ist

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© unsplash

von Gereon von Ehrenfeld

Mich hat Olympia zwischendurch so aufgeregt, dass ich fast laut geworden wäre. Dabei saß ich ganz alleine vor dem Computer und in der Regel habe ich mich dabei im Griff. An diesem Tag allerdings nicht.

Was war passiert?

Der deutsche Schwimmer und Olympiateilnehmer Markus Deibler hatte auf Facebook einen Post hinterlassen. Macht man ja heute so, wenn man sich aufregt und viral durch die Masse schwappen will. Bezogen auf die Kritik am schlechten Abschneiden der deutschen Sportler, insbesondere der Schwimmer, schrieb Deibler:

In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20.000€ Prämie bekommt und ein Dschungel-Camp-König 150.000€ sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.

Und da habe ich mich dann aufgeregt. So richtig.

Ich fange mal von vorne an. Der Vergleich zwischen Olympia und Dschungelcamp hinkt gewaltig. Er hinkt so sehr, er ist völlig unzulässig. Das Dschungelcamp ist ein von einem privaten Fernsehsender organisiertes Format mit dem alle Beteiligten einen Haufen Geld verdienen. Dass man es auf kulturpessimistische Weise irgendwie schade finden kann, dass dem so ist: Geschenkt. Aber Geld wird damit verdient, es gibt also keinen Grund, warum nicht auch die Teilnehmer entsprechend entlohnt werden sollten. Und wenn man bedenkt, dass das Geld an zum Teil bankrotte Ex-und-Hopp-Stars geht, mag man die 150.000 Euro vielleicht auch wieder etwas relativieren.

Aber was ist mit Olympia? Wieviele Zuschauer hat eigentlich hierzulande Bogenschießen? Wieviele Fernsehzuschauer werden von Zweier-Kajak vor den Fernseher geholt? Und wer, sorry lieber Markus Deibler, aber wer interessiert sich eigentlich für 400m Schmetterling?

Was ich sagen möchte: Die allerallermeisten olympischen Sportarten interessieren, mit Verlaub, gar niemanden. Im Jahresschnitt sitzen da ein paar Funktionäre, Nerds und Familienmitglieder auf den Rängen und alle vier Jahre darf mal ein öffentlich-rechtlicher Redakteur die Regeln bei der rhythmischen Sportgymnastik erklären. Das war’s. Kann man auch schade finden, denn klar, auch moderner Fünfkampf ist was Feines, aber es interessiert halt keinen.

Was interessiert: Fußball, Fußball, Fußball.

Und die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in die letzten genetischen Winkel gedopten Superstars, die dafür auch entsprechend mit Moneten überhäuft werden. Kann man auch alles unfair finden, aber man kann auch ganz andere Sachen unfair finden. Die betreffen einen vielleicht nicht so direkt, aber sind vielleicht gesellschaftlich relevanter.

Mal ein paar Beispiele, total zufällig. Wer so alles weniger als ein Dschungelstar verdient: Krankenpfleger, Journalisten, fast alle Künstler, eigentlich jeder, der irgendwas mit “Sozial” im Namen macht….ach, ich hör auf. Denn ihr merkt ja schon, was ich meine.

Ich meine: Es gibt verdammt viele Menschen in diesem unseren Land, die viel für unser Zusammenleben tun, die arbeiten, damit es irgendwie läuft mit der Gesellschaft hierzulande. Ob sie Kunst machen, alten Menschen den Mund abwischen oder jungen Menschen etwas beibringen. Sie alle werden beschämend gering bezahlt. Das ist doch eigentlich unfair, oder?

Was ich wiederum nicht unfair finde ist, wenn es etwas gibt wie die Deutsche Sporthilfe, die Profisportlern, egal welcher Randsportart, Geld gibt, damit diese Menschen ihrer Neigung nachgehen können.

Dass musste im Übrigen auch Markus Deibler eingestehen, denn einen Tag, nachdem ich mich so aufgeregt hatte, schob er ein einem weiteren Post nach:

Es geht aber überhaupt nicht um die Siegprämie, sondern darum, dass die deutschen von der Sporthilfe geförderten Sportler der sogenannten Randsportarten im Schnitt 626 Euro netto zur Verfügung haben. Damit kann man sich nicht auf den Sport konzentrieren, man muss noch nebenher jobben, um seine Miete zu zahlen.

Und ich musste mich schon wieder aufregen. Da bekommen also Menschen, die einer “sogenannten Randsportart” nachgehen 620 Euro netto. Vom Staat. Und müssen nebenbei arbeiten! Ich will ja nix sagen, aber wenn mir jetzt einfallen würde, unbedingt Hardcore-Töpfern zu wollen, könnte ich dann bitte auch so gesponsert werden?

Will sagen: Es ist doch schon ziemlich nett, 620 Euro netto für etwas zu erhalten, dessen gesellschaftliche (und von mir aus auch volkswirtschaftliche) Relevanz völlig unklar ist. Ich sag’s nochmal: Bogenschießen. Und ich habe nichts gegen Bogenschießen und auch nichts gegen Sport. Hat ja bestimmt auch eine Vorbildfunktion und junge Leute, die bogenschießen, dealen nicht mit Drogen oder so.

Aber warum, Herrschaftszeiten, sollte dem Staat das denn so richtig viel Geld wert sein? Denn mal ehrlich: Wer nicht dopt, kann mit den Spitzenstars sowieso nicht mithalten. Und warum sollten Steuergelder in ein System geblasen werden, dass – auf Ebene des IOC – an Undurchsichtigkeit, Korruption und Verlogenheit sogar noch der FIFA den Rang abläuft?

Eben. Und die mehr als 46.000 Facebook-User, die Deiblers Post empört geliked haben können sich ja mal fragen, wann sie das letzte Mal Dschungelcamp geguckt haben. Dann kommen wir dem Problem nämlich vielleicht wirklich ein Stückchen näher…

Wie seht ihr das?

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