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Warum müssen manche Menschen immer in einer Beziehung sein?

Warum müssen manche Menschen immer in einer Beziehung sein?

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Warum brauchen manche Menschen eine Beziehung? Also immer und jederzeit?
© gradyreese by iStockphoto

von Gereon von Ehrenfeld

Es gibt Menschen, wir kennen vermutlich alle einen davon, die sind immer in einer Beziehung. Einfach immer. Manchmal fragt man sich, wie die das schaffen. Wie kann man nur immer in einer Beziehung sein? Kaum ist ein Partner weg, keine zwei Wochen später steht schon der Neue auf der Matte. Andere Menschen lassen sich gar keine Zeit, sie betrügen ihre Partner immer schon mit dem Neuen. Ja, sowas ist relativ häufig.

Wir sagen dann oft, dass diese Menschen eben nicht “alleine sein können” und denken nicht weiter darüber nach. Dabei ist dieses zwanghafte in-einer-Beziehung sein wirklich schädlich. Und offenbart handfeste emotionale Probleme.

Meistens steckt ziemliche Unsicherheit dahinter.

Beziehungs-Süchtige haben kein sehr stabiles Selbstwert-Gefühl, sie bezweifeln sich oft und das macht ihnen sogar den Alltag schwer.

Da liegt es nahe, sich an einen Partner zu klammern, der diese Unsicherheit “abnimmt.”

Ganz eng verbunden damit ist aber auch das Gefühl, eigentlich nicht liebenswürdig zu sein. Wer Beziehungssüchtig ist, tut alles, um attraktiv zu erscheinen. Legt sich richtig ins Zeug, ist unfassbar charmant und reizend – alles, um in jedem Fall als wertvoll für eine Beziehung zu erscheinen. Denn sie ertragen es nicht, nur mit sich selbst zufrieden zu sein.

Dieses geringe Selbstwertgefühl führt auch dazu, dass solche Menschen oft mit sehr schwierigen Personen zusammenkommen. Leuten, die viel Aufmerksamkeit brauchen, die speziell sind, viel Zuwendung brauchen. Die Logik dahinter ist einfach: Je mehr ich gebraucht werde, desto weniger wahrscheinlich ist, dass ich verlassen werde. Leider passiert es so auch oft, dass der falsche Partner dabei rumkommt. Und dann ist die Not groß, denn diese Menschen sind nicht dazu gemacht, den Partner zu verlassen. Lieber mit irgendjemandem zusammen, als mit niemanden.

Daher werden diese Art der Beziehungen auch so schnell “fix gemacht.” Ich kenne Freundinnen, die haben in Nullkommanix geheiratet, eine wurde innerhalb von drei Monaten schwanger. Mir kam das schon damals eher wie der Versuch vor, den Partner unausweichlich an sich zu binden. Denn warum sollte man sonst so schnell Nägel mit Köpfen machen?

Aber es ist natürlich schwierig, diesen Menschen aus ihrer Beziehungsspirale zu helfen. Manchmal sehen sie es selbst, manchmal kann man sie freundlich darauf hinweisen. Nun könnte man einwenden: Na, und?! Lass sie doch. Manche Menschen sind eben nicht gerne allein. Doch da muss ich einhaken, denn Beziehungssüchtige haben sehr wohl ein Problem: Sie können nicht alleine sein. Und es gibt wirklich keinen erfolgreicheren Zufriedenheits-Test auf dieser Welt, als diesen: Fühlt man sich auch als Single als kompletter Mensch? Hält man die eigene Gegenwart lange genug aus? Oder versucht man die eigenen (angeblichen) Unzulänglichkeiten mit einer Liebschaft zu stopfen?

Wer bei diesen Fragen leise schlucken muss, der sollte sich ernsthaft hinterfragen. Denn keine Beziehung der Welt kann dieses Unzufriedenheitsgefühl auf Dauer ausgleichen. Es ist besser, und es ist auch praktischer, sich direkt mit sich selber auseinanderzusetzen. Und nicht einen Partner davorzuschieben.

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