Warum unsere Gutmütigkeit so oft ausgenutzt wird

Warum unsere Gutmütigkeit so oft ausgenutzt wird

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©stevanovicigor by iStockphoto

von Simone Debour

Wir möchten doch eigentlich nette Menschen sein, oder? Wir möchten gemocht werden. Akzeptiert und verstanden. Wir wollen aber auch, dass unsere Mitmenschen und Freunde sehen, dass wir gute Menschen sind. Gute Menschen. Klingt altmodisch. Klingt aber auch modern. Ein guter Mensch. Ein Mensch, der nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Der nicht jeden Cent hinterherrechnet. Der mal mit anpackt, ohne zu überlegen, was er selber davon haben könnte. Ein Mensch, der Gutes will. Und Gutes tut. Weil sich Gutes eben nicht von allein in der Welt vermehrt. Und, auch, weil man selber guten Menschen begegnen möchte. Und es ja, vielleicht vielleicht, doch irgendwie abfärbt, die Gutmütigkeit.

Gutmütigkeit. Freundlich, hilfsbreit, friedfertig. Schreibt der Duden. Aber der Duden beschreibt auch, was oftmals die Kehrseite dieser Gutmütigkeit ist: Naivität, Unschuld. Die eigene Gutmütigkeit ausnutzen lassen. Und das passiert leider nicht allzu selten.

Gutmütige Menschen

Denn wer gutmütig ist, der trifft eben auch auf Menschen, die es nicht sind. Die dafür aber sehr gut darin sind, auszuschnüffeln, um wen es sich da handelt. Und sie werden keine Sekunde zögern, es zu tun. Das ist ja gerade das fatale an gutmütigen Menschen. Sie glauben selbst noch, dass ihre Gutmütigkeit gefragt ist, gerade wenn man sie ausnutzt. Sie halten die andere Backe hin. Denn Teil ihrer Gutmütigkeit ist es auch, nicht unangenehm auffallen zu wollen. Sie möchten es gerne anderen recht machen. Und stellen die eigenen Bedürfnisse nach hinten.

Doch das Problem ist, wer sich so gut antrainiert hat, die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen, der wird irgendwann gar nicht mehr wissen, was die eigenen Bedürfnisse sind. Und dann wird es gefährlich. Denn dann, allerspätestens, kommt man gar nicht mehr heraus, aus der Gutmütigkeitsfalle.



Nicht ausnutzen lassen

Gutmütigkeit ist nämlich wie ein Muskel. Wer sie viel trainiert, wird immer besser darin. Das ist gut, dass ist wichtig. Aber es ist auch gefährlich. Denn Menschen, die einen ausnutzen wollen, die stehen auf solche starken Muskeln. Und es ist schwierig sofort zu erkennen, wann man ausgenutzt wird. Vor allem, weil gutmütige Menschen ja genau nicht so sein wollen, wie andere: Sie wollen nicht „geben“ und „nehmen“ gegeneinander aufwiegeln. Sie glauben daran, dass Mitmenschlichkeit auch davon lebt, dass man mal mehr für den anderen tut, als man zurückbekommt.

Wer sich als gutmütiger Mensch also schützen will, sollte sich ein paar Mechanismen antrainieren. Vor allem: Bewusstseinsmachung. Wird man zum Beispiel mal wieder um Hilfe in einer Situation gebeten, die man als belastend empfindet, sollte man einen Schritt zurückmachen und sie sich anschauen. So objektiv wie möglich: Ist das eine berechtigte Bitte? Kann ich dieser Bitte nachkommen, ohne dass es mir dabei schlecht geht? Bzw. ohne, dass ich etwas tue, was mich dauerhaft belasten wird und mir schadet? Wer unsicher ist, sollte mit anderen Freunden darüber sprechen. So neutral wie möglich. Wie nehmen andere Menschen die Situation wahr? Kann man sie selber richtig einschätzen?

Bei sich bleiben

Wenn klar ist, dass man einer Bitte nicht nachkommen kann, ist es wichtig, dass auch offen und ehrlich zu kommunizieren. Man sollte die Bitte nicht einfach abschlagen, sondern ganz klar, aber auch ganz nett, erklären, warum man nicht helfen kann. Das ist wichtig, denn die eigenen Verhaltensgründe auszusprechen kann helfen, sich beim nächsten Mal besser daran zu erinnern und die Situation so leichter durchzuspielen.

Auch wichtig ist, dass man sich dabei nicht einreden lässt, ein liebloser Mensch zu sein. Wenn ein besonders gutmütiger Mensch Bitten abschlägt, kann das schon mal hohe Wellen schlagen und die „Ausnutzer“ sind besonders entrüstet. Stop! Das darf man nicht an sich herankommen lassen. Man ist und bleibt gutmütig. Aber diese Eigenschaft zählt eben nichts, wenn man es nicht auch sich selber gegenüber sein kann.

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