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Was passiert, wenn man Glück über Geld setzt
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Was passiert, wenn man Glück über Geld setzt

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hands of rich woman with golden manicure and many jewelry
© YunYulia by istock photo

von Simone Debour

Eigentlich halten wir es für selbstverständlich. Es ist etwas, das keiner von uns hinterfragen würde. Ist Glück wichtig? Ist es wichtig, sein persönliches Glück zu suchen? Ist es wichtig, dafür auch in Kauf zu nehmen, dass wir nicht alles haben können?

Die meisten von uns würden diese Fragen mit “Ja” beantworten. Denn wir haben gelernt: Das Glück fällt einem nicht in den Schoß. Wir müssen aktiv etwas dafür tun. Glück ist oft genug ziemlich unabhängig von den sogenannten “Umständen” – Geld, Immobilien, Job.

Raum ist in der kleinsten Hütte, für ein glücklich liebend Paar,

heißt es und so könnte es auch über das Glück heißen. Wer sich also auch in der kleinen Hütte glücklich fühlt, der darf sich in der Tat auch glücklich schätzen.

Umso trauriger hat mich ein Leserbrief gemacht, über den ich neulich gestolpert bin. In der Washington Post schrieb dort eine Ratsuchende an die Journalistin Carolyn Hax:

Ich habe neulich ein Job-Angebot bekommen, dass deutlich besser bezahlt wird, als mein jetziger Job. Ich bin zwar eigentlich überqualifiziert, aber fühle mich in meinem Job glücklich. Daher hat der Gedanke an den neuen Job mich auch irgendwie unglücklich gemacht. Ich habe lange mit meinem Mann diskutiert und den Job schließlich abgelehnt.

Jetzt ist mein Mann total wütend. Es ist Monate her und er macht immer noch gemeine, sarkastische Kommentare dazu. Statt der Familie zu helfen, würde ich mein persönliches Glück über alles setzen.

Dabei geht es uns nicht schlecht. Er hat lediglich den Eindruck, dass wir nicht so viel Geld wie unsere Freunde haben. Ich fühle mich mittlerweile richtig schlecht, aber warum sollte ich mein Glück für ein bisschen mehr Geld eintauschen. Aber schuldig fühle ich mich auch. Wie kommen wir da raus?

Carolyn war ähnlich entsetzt, wie ich mich gefühlt habe, als ich den Brief las. Vor allem über das Verhalten des Ehemanns.

Carolyn schreibt:

Er verhält sich schrecklich. Selbst wenn er gute Gründe für seine Wut hat, ist das ein furchtbarer Weg, diese Wut zum Ausdruck zu bringen.

Ja, ich denke, darauf können wir uns alle einigen. Aber unabhängig vom Verhalten des Ehemanns ist die grundsätzliche Frage doch auch spannend: Darf man sich schuldig fühlen, wenn einem das persönliche Glück wichtiger ist als, sagen wir mal, ein paar Hundert Euro mehr in der Familienkasse?

Die anonyme Frau hat diese Frage für sich erstmal mit “Ja” beantwortet. Glück ist wichtiger als Geld. Doch jetzt kriegt sie dafür – was für ein passendes Bild – die Quittung. Glück ist wichtiger als Geld? Ihr Umfeld sieht das offensichtlich anders.

Was diese traurige Geschichte also für mich zeigt ist nicht so sehr die Frage, ob Glück wichtiger ist als Geld. Sondern ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, solche Menschen zu akzeptieren. Ob wir bereit sind zu akzeptieren, wenn jemand nicht die “offensichtlichen” Entscheidungen trifft: Nicht dem Geld oder der Karriere nachjagt, sondern dem…Glück?! Was auch immer das individuell bedeuten mag.

Und ich frage mich das durchaus selbstkritisch. Bin ich soweit? Seid ihr soweit? Und was können wir gemeinsam daran ändern?

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