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Lieber hässlich als tot!
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Lieber hässlich als tot!

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Ein Mann kämpft für die Menschenwürde bei angeblich hässlichen Menschen
© Robert Hoge

Als Roger Hoge geboren wurde war seine Mutter zuerst so entsetzt, dass sie ihn nicht sehen wollte. Er war derart entstellt, dass sie ihr eigenes Kind hässlich fand. Heute kämpft der Journalist für mehr Toleranz und menschliche Achtung innerhalb der Gesellschaft gegenüber hässlichen Menschen.

Die Schönheitsindustrie bestehend aus Mode, Kosmetik und Pharma, bestimmen wie wir am besten auszusehen haben. Die Medien bombadieren unser Unterbewusstsein täglich mit dem aktuellen Schönheitsideal. Schlank sollen wir sein, tolle Beine haben, durchtrainierte Muskeln, volles Haar, sanfte Haut, strahlende Augen, blitzweiße und gerade Zähne. Der Selbstoptimierungswahn kennt keine Grenzen mehr. Unser Selbstbewusstsein wandert in den Keller und traut sich kaum wieder rauf.

Robert Hoge hat eine Kampagne gestartet. Der Australier spricht in Schulen und bei Veranstaltungen. Er möchte eine weltweite Diskussion anzetteln.

Ich möchte, dass Menschen anerkennen, dass es unterschiedliches Aussehen gibt und vor allem, dass hässlich nicht gleichzusetzen ist mit dumm oder böse.

Er weiß wovon er spricht. Er kennt die Verletzungen, das Ausgegrenzt sein, die Einsamkeit. Seine eigene Mutter wollte ihn als Neugeborenen nicht mit nach Hause nehmen. Dennoch hat er viel Mitgefühl für seine Mutter übrig. Er kann sich sehr gut vorstellen, wie schrecklich das für seine Mutter gewesen sein muss. Dem australischen Sender ABC erzählte er

An einem neugeborenen Baby sollte nichts falsch sein, es sollte ein wundervoller Moment sein, in dem man sagt: ‚Schaut, mein Kind ist perfekt‘.

Er hatte Glück und eine eine liebevolle Mutter. In einem Tagebuch, dass die mittlerweile Verstorbene führte, beschrieb sie, wie sie ihre vier anderen Kinder fragte, ob der missgebildete Robert bei ihnen einziehen sollte. Sie befragte jedes ihrer Kinder einzeln. Nicht eines überlegte – alles war sofort klar: Robert gehört zur Familie. Danach unternahm die Familie alles erdenkliche, um Robert eine weitestgehend normale Kindheit zu ermöglichen.

Lieber hässlich, als tot!

Ab seinem vierten Lebensjahr versuchten Ärzte durch unzählige Operationen, sein Gesicht zu verschönern. Beispielsweise nutzen sie Teile seines Zehs, um eine Nase zu formen. Die Operationen machten ihn zwar ein wenig hübscher, jedoch stieg die Gefahr einer Erblindung oder sogar des Todes. Mit 14 entschied sich Robert gegen weitere Operationen.

Als seine Mutter Robert zum ersten Mal sah, war sie so schockiert, dass sie ihn nicht mit nach Hause nehmen wollte.
© Robert Hoge

Das war der Moment der Klarheit, sagt Hoge. Er begann, sein Aussehen zu akzeptieren und anzunehmen. Dank seines Vaters ist er als erster innerhalb der Arbeiterfamilie zur Universität gegangen. Sein Vater hat ihm klar gemacht, dass er mit körperlicher Arbeit niemals seinen Lebensunterhalt wird bestreiten können. Dadurch ist Robert Hoge heute ein erfolgreicher Journalist, Medienberater, Ehemann und Vater.

Seine Lebensgeschichte hat er in einem Buch mit dem Titel „Ugly“ („Hässlich“) festgehalten. Außerdem setzt er sich ein für Behinderte und Menschen, die einfach anders aussehen, als Konventionen es zu diktieren versuchen. Letztere hätten übrigens einen inoffiziellen Klub, wie Hoge es gerne nennt.

„Hässliche Menschen fühlen die Gemeinsamkeit“, sagt er. „Es ist eine gegenseitige Akzeptanz da.“

Nun will Hoge auch bei der vermeintlich normal aussehenden Bevölkerung für mehr Offenheit werben.

„Menschen mit Behinderung sind Schriftsteller, Maler, Läufer, Eltern, Buchhalter, Introvertierte“, schreibt Hoge in einem Artikel für den „Guardian“. „Einige von uns haben Beine, andere können nicht sehen oder nicht hören.“ Doch all dies gehöre ganz genauso zum Leben dazu. Er wünsche sich, dass die Leute einfach auf Menschen wie ihn zugehen und fragen würden:

„Hey, wie geht es dir?“ Denn: „Wir werden nicht beißen“, wie er mit einem Augenzwinkern verspricht.

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