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Werde keine graue Maus!

Werde keine graue Maus!

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Es ist schon recht lange her, da gab es überall auf der Welt bunte Mäuse.

Sie waren rot oder blau, gelb oder grün, rosa oder violett. Manche Mäuse waren sogar bunt getupft oder gestreift. Durch die Farbe ihres Felles verständigten sie sich. Sie zeigten einander damit, was sie besonders gut konnten und womit sie den anderen helfen wollten.

„Wir“, erklärten die roten Mäuse, „sind schnell und stark. Wir helfen überall da, wo starke Mäusearme oder flinke Mäusebeine vonnöten sind.“

„Wenn jemand Rat sucht oder etwas Schwieriges wissen will, sind wir zur Stelle“, boten sich die grünen Mäuse an. „Wir sind nämlich sehr klug und möchten mit unserem Wissen anderen helfen.“

„Hast du Langeweile oder schlechte Laune, dann wende dich an uns ließen die gelben Mäuse wissen. „Wir kennen die besten Mäusewitze und die tollsten und wildesten Mäusespiele. Mit uns erlebst du die lustigsten Abenteuer.“

„Wir möchten einfach für dich da sein“, sagten die rosa Mäuse. „Wir sind ruhig, zärtlich und verständnisvoll. Wir leisten dir Gesellschaft, wenn du einsam bist, und hören dir zu, wenn du dich aussprechen willst. Wir nehmen dich in die Arme und trösten dich, wenn du traurig bist.“

Da nun die meisten Mäuse nicht nur eine Stärke hatten, sondern mehrere, waren ihre Felle recht farbenfroh. Und wenn sich ihre Fähigkeiten änderten, konnten sie auch die Farbe ihres Felles wechseln. Das war für die Mäuse kein Problem. Sie mussten sich nur fest konzentrieren und ehrlich vor sich selbst sein. Damit die anderen sofort wussten, was los war, veränderten alle Mäuse häufig die Farbe ihres Felles. So herrschte eine offene und ehrliche Atmosphäre. Sie lebten glücklich und zufrieden in ihrer bunten Mäusewelt.

Halt, da habe ich etwas übertrieben! Es gab doch ein paar Mäuse, denen die offene Art der anderen nicht gefiel: Das waren die grauen! Sie wechselten nie ihre Farbe, zeigten nie ihre Stärken und waren nicht bereit, ihre Fähigkeiten für andere einzusetzen. Sie verstanden es meisterhaft, sich hinter ihrem grauen Fell, einem gleichgültigen Lächeln und nichtssagenden Sprüchen zu verstecken.

Die offene und ehrliche Art der anderen Mäuse machte den grauen Angst. Darum zogen sie los, um für eine graue Mäusewelt zu kämpfen.

„Wenn du ausgelassen bist“, sagten sie zu den fröhlichen Gelben, „halten dich alle für albern und dumm. Versteck deine Freude lieber hinter einem unauffälligen Grau, bevor du dich noch blamierst!“

—„Wenn du dich stark und mutig fühlst, dann zeig das niemandem“, rieten sie den starken Roten, „sonst halten dich alle für einen Angeber: Mit einem schlichten Grau fällst du niemals unangenehm auf.

—„Wenn du dich um andere sorgst und dich um sie kümmerst, wirst du bald von allen ausgenutzt, warnten sie die verständnisvollen Rosafarbenen. „Mit einem schützenden Grau sparst du viel Zeit für dich.

—„Wenn du den anderen zeigst, wie viel du weißt, halten dich alle für einen eingebildeten Streber“, erklärten sie den klugen Grünen. „Durch ein mattes Grau hältst du dir die anderen vom Leib und kannst dich in Ruhe weiterbilden.“

So zogen die Grauen von Maus zu Maus. Und da sie gelernt hatten, sich gewandt auszudrücken, konnten sie eine Maus nach der anderen davon überzeugen, die bunten Farben ab – und dafür das eintönige Grau anzulegen. Schließlich gab es fast nur noch graue Mäuse. Dadurch veränderte sich die Mäusewelt völlig: Kaum eine Maus wagte es noch, offen ihre Stärke zu zeigen, kaum eine setzte noch ihre Fähigkeiten für ihre Mitmäuse ein. Fast alle speisten ihre Mitmäuse mit freundlichen, nichtssagenden Sprüchen ab und kümmerten sich nur noch um sich und ihren eigenen Vorteil. Eine jede hatte Angst vor ihren Mitmäusen, da sie nicht mehr wusste, wo sie mit ihnen dran war.

Und so ist das bis heute geblieben: Fast alle Mäuse sind ängstlich und grau.

Übrigens: Die Grauen haben ihre Mission noch nicht beendet. Inzwischen ziehen sie als Menschen verkleidet durch unsere Welt und versuchen, die anderen davon zu überzeugen, dass es besser ist, zuerst an sich selbst zu denken und sich hinter einem gleichgültigen Lächeln und ein paar nichtssagenden Sprüchen zu verstecken, als seine Stärken und Fähigkeiten für die anderen einzusetzen.

Die Grauen sind fast überall dort zu finden, wo Menschen zusammenleben.

Ich bitte dich, lass dich nicht von ihnen überreden, sei keine graue Maus! (Uwe Nachtwey)

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