Home Kolumne Wie beendet man eigentlich Freundschaften? – 5 Tipps!
Wie beendet man eigentlich Freundschaften? – 5 Tipps!
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Wie beendet man eigentlich Freundschaften? – 5 Tipps!

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© Creatista by istock photo

von Gereon von Ehrenfeld

Ich hatte eine gute Freundin. Eine sehr gute Freundin. Eine Freundin, von der Sorte, die man als erste anruft, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Sie war für mich da, als meine letzte Beziehung in die Brüche ging. Nahm mich in den Arm, hörte mir zu, kochte Pasta und befahl mir, zu essen.

Sie war aber nicht nur einfach für mich da. Sie war mehr. Sie war vieles, was ich nicht war. Wir ergänzten uns. Sie machte mein Leben reicher. Mit ihrem Witz, ihrer Intelligenz, ihrer Phantasie.

Doch dann ging unsere Freundschaft in die Brüche.

Das ist nun schon ein Jahr her. Es fällt mir allerdings noch immer (manchmal) schwer, dass zu begreifen. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto besser verstehe ich, wie ich damit umzugehen habe.

Mittlerweile sehe ich nämlich das Ende unserer Freundschaft nicht einfach nur als das Ende einer Freundschaft.

Wenn eine romantische Beziehung in die Brüche geht, zelebrieren wir das Ende. Wir wissen, was zu tun ist, wenn ein Freund sich von seinem Partner trennt. Wir trösten, wir hören zu. Wir lassen uns immer und immer wieder die gleichen Geschichten erzählen. Wir betrinken uns, wir kaufen uns etwas Schönes, vielleicht nehmen wir es sogar als Anlaß, unser ganzes Leben neu zu überdenken. Aber, immer, lassen wir es nicht einfach nur geschehen. Wir nehmen uns das Recht auf Trauer. Wir haben das Recht auf Trauer.

Bei “normalen” Freundschaften ist das nicht so. Es gibt kein Protokoll für Freundschaften, die enden.

Das ist schade. Das sollten wir ändern. Denn Freundschaften können ein ebenso wichtiger Teil unseres Lebens sein. Und je besser wir verstehen, warum diese Freundschaft nicht mehr funktioniert hat, desto besser können wir auch ihr Ende verkraften.

Lasst mich also von meiner Freundschaft zu Charlotte erzählen. Und ihrem Ende.

Wir haben uns, wie das auch bei Paaren so ist, das Ende unserer Freundschaft nicht leicht gemacht. Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis es soweit war. Tränen sind geflossen, wir waren beide wütend aufeinander. Mittlerweile haben wir keinen Kontakt mehr. Wir haben uns gegenseitig zum Geburtstag gratuliert, das war’s.

Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, diese Freundschaft nicht weiter aufrechtzuhalten. Dachte, ich könnte vielleicht großzügiger sein. Müsste meine Bedürfnisse vielleicht weniger ernst nehmen. Bis ich merkte, dass das so nicht funktioniert. Denn unsere Freundschaft war toxisch geworden.

Was meine ich damit?

Jedes Mal, wenn wir uns trafen, fühlte ich mich danach wie leer gesaugt. Irgendwie hagelte es nur noch Vorwürfe: Warum meldest Du Dich nicht öfter? Warum hast Du nicht dann und dann nachgefragt, wie es mir geht? Warum hast Du es mir nicht einfach erzählt? Ein ständiger Kreislauf.

Ich musste mich regelrecht auf unsere Treffen vorbereiten. Musste mich emotional dafür stärken, damit ich nicht wütend wurde. Ich mochte nicht mehr, wie ich mich verhielt, wenn wir zusammen waren. Wir hatten keine Balance mehr. Die eine wollte das, der andere wollte das. Sie warf mir vor, mich nicht oft genug zu melden. Ich fragte mich, warum sie nicht verstehen konnte, dass sich mein Leben gerade in einer sehr stressigen Phase befand. Ich hatte permanent ein schlechtes Gewissen.

Irgendwann beschlossen wir dann, ohne dass es einer von uns ausgesprochen hatte, dass wir genug hatten. Sehr oft fragte ich mich, ob ich nicht noch einen Schritt auf sie zumachen sollte. Ein neues klärendes Gespräch. Ich entschied mich dagegen. Es ist besser so.

Denn, das sollten wir auch bei Freundschaften verstehen, es geht um uns. Es geht um Dich!

Wenn es einen Menschen gibt, der dir einfach nur noch Kraft nimmt, dann sollte man sich von diesem Menschen verabschieden. Vielleicht wäre es in einer anderen Welt, zu einer anderen Zeit anders gelaufen. “Hätte hätte Fahrradkette” taugt aber nicht als Lebensprinzip!

Wichtig ist, dass hat mir mal eine andere Freundin geschrieben, vor allem eins: Protect your heart! Beschütze Dein Herz!

Auch das macht es natürlich nicht leichter, eine Freundschaft loszulassen. Denn es gibt ja auch schlicht ganz praktische Erwägungen: Wie verhalte ich mich, wenn ich die Person treffe? Wie erzähle ich es im gemeinsamen Freundeskreis?

Diese Fragen können einen, zurecht, ganz schön umtreiben. Aber auch in diesem Zusammenhang hilft mir ein Zitat, das mich schon sehr lange begleitet. Und welches tatsächlich als Lebensprinzip gelten kann. Es ist von dem amerikanischen Schriftsteller Henry James. Er sagte:

Three things in human life are important: the first is to be kind; the second is to be kind; and the third is to be kind.

 

In diesem Sinne ist  meine Erkenntnis aus dieser schmerzhaften Trennung:

1.) Sprecht ehrlich und nicht gegenseitig anklagend miteinander.

2.) Sprecht Dritten gegenüber freundlich übereinander.

3.) Freundschaften zerbrechen manchmal, weil sich Lebensabschnitte und Menschen verändern, – und sind nicht unbedingt persönlich zu nehmen.

4.) Wenn Du merkst, dass eine Freundschaft nur noch Kräfte zehrt, Du Dich nicht mehr frei und unbekümmert fühlen kannst, dann stellt sich die Frage „Warum ist das so?“ – und „Warum will ich so eine Freundschaft noch aufrecht erhalten? Schuldgefühle? Verantwortungsgefühle? Angst vor Einsamkeit? – Nimm Dir Zeit und beantworte Dir diese Fragen ganz ehrlich. Entscheidest Du Dich im Moment gegen diese Freundschaft, heißt das nicht, dass es für immer sein muss. Manchmal findet man Jahre später auch wieder zusammen.

5.) Gestatte Dir um Deine aufgelöste Freundschaft zu trauern und sie zu verarbeiten.

 

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