Home Kolumne Wie mir dieser eine Abend bei Freunden zeigte, dass ich die Freundschaft einfrieren sollte
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Wie mir dieser eine Abend bei Freunden zeigte, dass ich die Freundschaft einfrieren sollte

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© SensorSpot by istock photo

von Gereon von Ehrenfeld

Wir kennen uns schon seit Jahren. Und wir mögen uns. Wir haben mal zusammen gearbeitet und daraus ist, Stück für Stück, eine Freundschaft erwachsen. Keine Freundschaft von der Sorte, bei der man sich spätnachts weinend anrufen kann, bei der man Dinge vom anderen weiß, die aus unserem Innersten kommen. Aber eine Freundschaft, bei der man sich regelmäßig sieht und – zumindest immer mal wieder – am Leben der Anderen teilnimmt.

So war es eigentlich gut und schön. Hätte ich nicht schon länger das Gefühl gehabt, dass diese Freundschaft zunehmend auf tönernen Füßen steht. Das es in dieser Freundschaft zunehmend nicht mehr darum geht, sich etwas zu sagen zu haben, sondern bei gemeinsamen Treffen hauptsächlich davon zu berichten, wie das Hotel im Urlaub war und wo man als nächstes hinfahren wird.

Auch das ist nicht weiter schlimm. Wer sich nicht auch über banale Dinge unterhalten kann, der ist vermutlich schlicht nicht sozial kompatibel. Aber es gibt da einen feinen Unterschied, der mir zunehmend mißfiel. Denn in vielen dieser banalen Gespräche spiegelte sich eine Lebenseinstellung, die ich nicht teilen konnte. Die mir sogar richtig auf den Geist ging. Die mir schlechte Laune machte.

Bei einem letzten Treffen fiel mir auch plötzlich auf, warum. Wir saßen mal wieder in der schicken Wohnung von K. und S. zusammen, bewunderten die Mitbringsel aus dem letzten Asien-Urlaub und ich nickte brav, als S. mir erklärte, wie sie nach drei Wochen Japan nun wirklich keine Ramen-Suppe mehr hätte sehen können.

Ich habe nichts gegen Ramen. Ich habe überhaupt nichts gegen Essen. Ich kann sogar stundenlang über Essen reden. Aber irgendetwas an dieser Art darüber zu reden, erschien mir so lieblos und oberflächlich, dass ich genausogut mit einem Bot hätte den Abend verbringen können. Informationen wurden nur ausgetauscht, weil man ja über irgendetwas reden musste, schien mir. Wie es denn jetzt nun genau in Japan war, kam nicht zur Sprache. Oder war das etwa alles, was die beiden dort mitgenommen hatten?

Als das Gespräch dann schließlich beim Wohnzimmer-Mobiliar landete, schwante mir, was diese Freundschaft geworden war: Ein gegenseitiges heiße Luft in die Runde blasen. Oder: Wo man denn den Eames-Stuhl aus Fieberglas herbekommen habe und wieviel man dafür auf keinen Fall Second-Hand ausgeben dürfte. Noch einmal: Ich rede auch gerne über Innen-Einrichtung. Aber ich rede nicht gerne NUR über Innen-Einrichtung. Vor allem dann nicht, wenn der Verdacht aufkommt, dass es sowieso gar nicht um Innen-Einrichtung geht, sondern darum, was man sich alles leisten kann. Wie besonders man ist, weil man sich mit Eames-Stühlen auskennt. Wie man permanent damit beschäftigt ist, ein Bild von sich zu entwerfen, dass möglichst hip und anspruchsvoll ist.

Ich möchte keine Freundschaften führen, in der meine Anwesenheit darauf reduziert wird, mich als Leinwand für die Projektionen anderer Leute zu nutzen. Das können die gerne machen, aber nicht mit mir.

Während des Abends wurde ich zunehmend unruhig, da mir klargeworden war, dass es eben gar nicht um eine Freundschaft ging, um uns, sondern um diejenigen, die wir sein wollten. Wie wir wahrgenommen werden wollten.

Ich verabschiedete mich ziemlich schnell. Und beschloß danach, mir solche Abende nicht mehr anzutun. Zu oft führen wir solche Freundschaften weiter, pflegen sie, weil wir uns sozial verpflichtet fühlen und weil wir gerne einen großen Freundeskreis haben.

Aber solche Abende sind Energiefresser. Sie geben einem nicht das, was einem echte Freundschaft geben kann. Einen Austausch mit Menschen, die uns am Herzen liegen. Denen wir am Herzen liegen. Und die uns nichts vorspielen müssen. Das Gefühl, wirklich von jemandem verstanden werden zu wollen. Der Wunsch, dass auch einer anderen Person geben zu können. Und, natürlich, stundenlange Gespräche über Innen-Einrichtung und Essen. Das auch.

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