Home Kolumne Wir sollten Kraftausdrücke meiden – aber diese Zeiten erfordern eine deutliche Sprache
Wir sollten Kraftausdrücke meiden – aber diese Zeiten erfordern eine deutliche Sprache
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Wir sollten Kraftausdrücke meiden – aber diese Zeiten erfordern eine deutliche Sprache

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© vivalapenler by istock photo

von Simone Debour

Tja. Drei Buchstaben nur, aber in ihnen steckt viel Misere. In ihnen steckt die Hilflosigkeit, die viele von uns befallen hat, seitdem die Welt auf dem Kopf zu stehen scheint.

Tja. Trump ist US-Präsident. Er ist es wirklich. Kein alternativer Fakt weit und breit. Und er – wer hat nochmal gezweifelt? – setzt um, was er versprochen hat. Soweit so schrecklich. Aber auch klar: Wir müssen etwas tun. Nicht nur die Amerikaner, wir alle müssen etwas tun. Etwas tun, damit kreischender, dumpfer Machismo nicht eine Welt ruiniert, von der wir zumindest glaubten, sie könnte ein halbwegs angenehmer Platz sein für viele. Männer, Frauen, Muslime, Christen, Arme, Reiche. Menschen.

Tja. Es klingt so hohl. Aber es klingt nur so hohl, weil wir nicht wahrhaben wollten, dass an unseren Grundfesten sehr wohl zu rütteln ist.

Und was tun wir?

Menschen gehen auf die Straße, sind laut, halten Plakate hoch, wollen gehört werden. Wollen ihre Forderungen, aber auch ihren Ärger in die Welt heraussschreien. Zurecht. Und viele tun dies auch mit, sagen wir mal, deftiger Ausdrucksweise. “F***, Trump!”

Die meisten von uns sind trainiert darauf, solche Art der Wortwahl kritisch zu sehen. Als kindisch, ungezogen, auch ungebildet. Wir haben gelernt, Beleidigungen bringen nichts. Sie schüren nur Ärger und reißen Gräben auf. Wer jemanden “A****” nennen muss, der hat keine Argumente. Im Straßenverkehr noch verständlich, im politischen Diskurs verpönt.

Sieht man ja auch an Trump selbst. Wie wohl kein anderer US-Präsident vor ihm nutzt Trump Schimpfwörter. “F***” kann Trump in einer guten Minute bis zu fünfmal sagen, wie “The Federalist”  schön zusammengestellt hat. Ein Grund also, sich nicht auf sein Niveau zu begeben? Oder, wie es Michelle Obama sagte: “When they go low, we rise high”?

Ja, sicher. Unser Leben, also das Internet, ist sowieso schon so voll mit Beleidigungen und Gekrähe, da könnten wir doch alle mal eine Portion Zurückhaltung gebrauchen. Und Freundlichkeit. Und Anstand.

Oder?!

Oder sollten wir vielleicht doch wieder etwas deftiger werden? Zum einen tut schimpfen schließlich auch gut. Es entlastet, es lässt Dampf ab. Und das können wir gerade alle gebrauchen.

Ein dahingeseufztes “Tja” ist unbefriedigend. Wenn etwas einfach so richtig sch**** ist, verdient es auch den Namen. Denn Kraftausdrücke sind auch Zeichen der Wut, einer Wut, die wir vielleicht stärker herauslassen müssen, um nicht in unserer (eingebildeten) Wohlfühl-Blase zu ersticken. Und zum anderen hilft uns die Sprache vielleicht auch dabei zu merken, wie weit es schon gekommen ist, mit uns. Wir sitzen nämlich ganz schön in der Sch****. Diplomatie? Ach, Leute! Der US-Präsident ist ein sexistischer, rassistischer, geldgeiler Nationalist. Angela Merkel wird das nicht öffentlich sagen. Aber wenn wir es nicht sagen, und zwar laut und oft, dann glaubt nachher noch die Mehrheit, dass es gar nicht stimmt. Und das wäre fatal.

Denn zu Politik gehört auch Wut. Gehört auch der Ärger, den sich gerade Frauen, so wohlfeil abtrainieren mussten bzw. nie erlernt haben, weil Ärger und Wut eben nicht weiblich sind. Es geht nicht darum, sich auf ein Niveau zu begeben, mit dem wir alle nichts zu tun haben wollen. Aber es geht darum, ab und zu mal mit einem explodierenden “F***” zu merken, dass man sich die Welt nur bedingt schön reden kann. Denn merke: Unterdrückte Wut macht unglücklich – und in diesem Fall einen Großteil der Weltbevölkerung!

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