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Zu nett zu sein, macht uns nicht glücklicher
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Zu nett zu sein, macht uns nicht glücklicher

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© sundikova by istock photo

Wir alle möchten gemocht werden. Wir möchten es unseren Mitmenschen gerne recht machen. Wir wollen beliebt sein. Wir sind, manchmal, regelrecht harmoniesüchtig.

Im Alltag heißt das für viele von uns: Wir sind nett. Wir sind nett zu allen. Aber wir sind manchmal einfach zu nett. Das schreibt zumindest die Autorin Christine Carter in einem Artikel für das “Greater Good Science Center”.

Nach Carter ist das Phänomen des “es allen recht machen wollens” nämlich eher schädlich. Indem wir es allen recht machen wollen, verlassen wir uns darauf zu spekulieren, was andere von uns erwarten. Dabei lassen wir außer acht, dass wir dabei unsere persönliche Integrität auf’s Spiel setzen. Denn wir lassen dabei außer acht, was wir selber wollen.

Carter schreibt, unser übertriebenes nett sein würde dabei vor allem drei schwerwiegende Konsequenzen haben. Konsequenzen, die uns dauerhaft unglücklich machen.

Carters Beispiel: Oft versuchen wir, wenn es uns im Privatleben gar nicht gut geht, diese Gefühle auf der Arbeit zu verstecken. Wir lächeln unsere eigenen Gefühle einfach weg. Aber, laut Carter, sind wir Menschen dabei nicht sonderlich gut. Denn wir senden immer, und sei es nur durch ganz kleine Gefühlsregungen und Mimik, Signale, die zeigen, wie es uns wirklich geht. Wir merken das und unser Gegenüber merkt das auch. Schlechte Gefühle zu unterdrücken erhöht also das Stresslevel für alle Beteiligten.

Außerdem fordert es große Anstrengungen von uns. Es gibt etliche Studien, die schon nachweisen konnten, dass wir gar nicht sonderlich gut in der Lage sind, übertrieben Selbst-Kontrolle auszuüben. Wenn wir vorgeben, es gehe uns besser als es uns geht, ist das eine besonders anstrengende Form der Selbstkontrolle.

Wer zuviel Selbstkontrolle ausüben muss, der wird andere Aufgaben nicht mehr so gut erfüllen können. Der wird auch andere Emotionen nicht mehr so gut kontrollieren können. Das Ergebnis: Wir sind unkonzentriert, reizbar und können uns schlechter organisieren.

Außerdem, und da ist die Autorin in ihrer Einschätzung besonders streng, hält Carter ein solches Verhalten schlicht für gelogen. Wer ständig tue, als wäre alles besser als es ist, der lügt. Und lügen stresst uns. Puls, Atem, Stimme ändern sich unmerklich und Stresshormone werden vermehrt ausgeschüttet. Alles nicht gut für unser Glücks-Level. Da ist sich Carter sicher.

Wer nicht möglichst authentisch lebt, dem geht es auf Dauer nicht gut.

In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass Menschen, die weniger lügen deutliche gesundheitliche Verbesserungen bemerken. Für Carter ein eindeutiges Zeichen: Wer nicht möglichst authentisch lebt, dem geht es auf Dauer nicht gut.

Ihre Empfehlung daher: Auch wenn wir mit Nettigkeit versuchen möchten, dass es anderen Menschen besser geht, wird uns dieses Verhalten auf Dauer nicht gut tun. Denn es ist nicht echt. Sicher kann das nicht heißen, dass wir unsere empathischen Qualitäten aufgeben sollen. Gute Beziehungen zu Freunden und Kollegen leben davon, dass wir nett, zugewandt und besorgt sind. Aber dieses Verhalten hat eben nichts mit übertriebener Nettigkeit zu sein. Einer übertriebenen Nettigkeit, die aus unserer Harmoniesucht entstanden ist.

Wir sind es eben auch unseren Mitmenschen schuldig, ehrlich zu ihnen zu sein. Und uns dabei nicht zu verleugnen. Denn ein ehrliches Lächeln wirkt immer besser, als ein erzwungenes.

Zum Focus-Artikel

 

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